Spektakuläre Stadt-Bilder

Im Dortmunder U-Turm

Die Stadt - ist sie Moloch oder Mikrokosmos? Macht Stadtluft frei oder macht sie krank? Entwickeln sich Städte zu Megacities oder schrumpfen sie? Das Phänomen Stadt ist interessant. Aber geradezu spektakulär ist die Ausstellung, die das Museum Ostwall im Dortmunder U-Turm diesem Thema abgerungen hat.

von Von Bettina Jäger

, 18.04.2013, 19:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ernst Ludwig Kirchner malte die "Chemnitzer Fabriken" anno 1926.

Ernst Ludwig Kirchner malte die "Chemnitzer Fabriken" anno 1926.

"Stadt in Sicht" heißt die Schau, die ab 20. April auf der sechsten (Ausstellungs-)Etage des U-Turms zu sehen ist.

Draußen geht der Blick weit über Dortmund, drinnen fällt er auf Szenen aus rund 40 Städten in aller Welt. 262 Gemälde, Zeichnungen und Fotos von 75 Künstlern haben Museumsdirektor Kurt Wettengl und Kuratorin Katja Knicker aus der Sammlung der Deutschen Bank, die insgesamt 50 000 zeitgenössische Arbeiten auf Papier umfasst, aussuchen können. Die Werke hingen weltweit in den Niederlassungen. Sogar aus New York ließ das Geldinstitut ein Bild einfliegen, um es in Dortmund präsentieren zu können.Kirchner und Feininger

Dafür gehen dem Betrachter aber auch angesichts der Malerei von Ernst Ludwig Kirchner, Lyonel Feininger oder Thomas Schütte die Augen über. Dazu die Crème de la Crème der deutschen Fotografen: Andreas Gursky, Thomas Struth, Thomas Ruff, Candida Höfer und Papiermodell-Macher Thomas Demand. Regisseur Wim Wenders ist mit einem Riesen-Foto vertreten - ein Motiv aus den USA, als wär´s ein Gemälde von Edward Hopper.

Staunend steht man vor Gurskys Motiv "Atlanta". Ein Hotel in der gleichnamigen US-Stadt öffnet sich mit unzähligen gleichförmigen Gängen und noch mehr (auch gleichförmigen) Grünpflanzen auf einen Lichthof. Nur am oberen Rand sind quasselnde Zimmermädchen zu sehen ...

Mit Esprit zusammengestellt

Doch große Künstler-Namen sind hier nicht entscheidend. Die sieben Kapitel der Ausstellung sind mit so viel Esprit und so vielen Ideen zusammengestellt, dass der Besucher das Thema ganz von selbst zu umkreisen beginnt. Wo lebt wohl der elegante dunkelhäutige Geschäftsmann, den Beat Streuli auf der Straße fotografiert hat? Was zeigt eigentlich die riesige Wand aus 300 Familienbildern von Fiona Tan?Delhi als pulsierende Megacity

Und erst die Städte in ihrer Pracht. Es gibt das himmelsstürmende Foto einer Brücke aus den USA. Oder die riesige Nachtaufnahme aus Delhi, der pulsierenden indischen Megacity.

Erstaunlich viele Künstler gehen aber auch dahin, wo es optisch richtig wehtut. Trostlose Kreisverkehre, gesichtslose Wohnhäuser, gesprengte Wolkenkratzer. Manche Bauten sind stumme Zeugen übler Zeiten. Günther Förg zum Beispiel hat den einstigen Sitz der IG Farben abgelichtet - jene Firma, die das Giftgas Zyklon B für die Gaskammern von Auschwitz produzierte.

Wie und wo wollen wir leben? Das fragt uns die Schau. Die Antwort könnte sein: auf jeden Fall mit solchen Ausstellungen. Dazu muss man allerdings wissen, dass "Stadt in Sicht" die einzige große Präsentation sein wird, die das Museum Ostwall im Dortmunder U in diesem Jahr überhaupt zeigen kann. Der Ausstellungsetat beträgt nur noch 70 000 Euro.

Museum Ostwall im Dortmunder U: "Stadt in Sicht. Werke aus der Sammlung Deutsche Bank", 20.4.-4.8., Di/Mi/Sa/So 11-18, Do/Fr 11-20 Uhr, Eröffnung am 19,4. um 19 Uhr, Katalog 9,90 Euro.

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