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Sperrung in letzter Minute

EVING Ein Horrorszenario: Ein LKW bricht im Asphalt der Kanalbrücke an der Ellinghauser Straße ein und untendrunter fährt gerade ein Tankschiff auf dem Ems-Kanal. Den Evinger Bezirksvertretern stand bei diesem Gedanken das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.

von Von Petra Frommeyer

, 15.11.2007

Zuvor hatten sie sich noch bitter beklagt, dass sie von der Sperrung der Brücke am 23. August für Schwerlaster erst durch die Zeitung erfahren hatten. "Es war Gefahr im Verzug, wir konnten keine Minute länger warten", sagten Diplom-Ingenieur Kai Römer vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Duisburg und Tiefbauamtsleiter Hubert Keune.

Schon 2001 hatten Römers Kollegen den Zustand der Fahrbahnplatte kritisch betrachtet. Aber erst Jahre später fanden die Fachleuchte mit Unterstützung eines externen Ingenieurbüros und vielen Versuchen heraus, wie gefährlich die Situation wirklich war. "Die Brücke stammt aus dem Jahr 1957, und man hat damals Neptunstahl für den Bau verwendet. Das war ein Fehler, man hätte das nie tun dürfen. Heute wissen wir, dass dieser Stahl zu Rissen und Bruch neigt."

1957 falscher Stahl verwendet

An der Lindenhorster Brücke hat er das unter Beweis gestellt: "Wir haben starke Korrosionen an den Längsträgern festgestellt. Es sind schon Spannstähle gerissen", so Römer. Deutliche Worte selbst für Laien, die eigentlich keines Kommentars mehr bedurften. Außer der berechtigten Frage von SPD-Bezirksvertreter Thomas Mann: "Hält die Brücke den PKW-Verkehr bis zum Bau der Behelfsbrücke überhaupt noch aus?" Die vage Antwort: "Unsere Unterhaltungsabteilung hat ein wachsames Auge auf das Bauwerk."

Dabei wird es noch einige Zeit dauern, bis die marode Brücke durch eine neue ersetzt werden kann: In 15 Monaten soll die Behelfsbrücke stehen. Dann beginnt der Abbruch der alten Brücke, die noch nicht einmal mehr von den Baufahrzeugen genutzt werden darf. Ende 2010 wird das neue Brückenbauwerk stehen, nach 30 Monaten Bauzeit und 8 Mio. Euro geschätzten Kosten.

Umleitungsverkehre sind ein Problem

Den Bezirksvertretern schwante angesichts dieses Zeitplans Übles. Sollte die Holthauser Straße weiterhin von LKW-Fahrern als Umleitungsstrecke genutzt werden, ist sie bis dahin kaputt. Sofort wurde der Beschluss gefasst, die Verwaltung aufzufordern, ein teilweises LKW-Durchfahrtsverbot zu verhängen.

Da auch die Deusener Brüke auf der Agenda des Wasser- und Schifffahrtsamtes steht, hegen die Bezirksvertreter noch eine weitere Befürchtung. Sollte sie erneuert werden müssen, bevor die Lindenhorster Brücke fertig ist, würde sich der LKW-Verkehr seinen Weg über die verschwenkte Lindenhorster Straße bahnen. "Wir brauchen die Deusener Brücke als Umleitung", machte CDU-Fraktionssprecher Klaus Neumann deutlich.

Herbe Kritik ernteten die Berichterstatter aus Duisburg von SPD-Sprecher Hans-Jürgen Unterkötter, der darauf pochte, dass trotzt schwieriger Grundstücksverhandlungen zu viel Zeit vergeudet worden sei.