Spielparadies für zehn Pfennig

WITTEN Karl Lappe war früher Bergmann, hat unter Tage bis zur Erschöpfung geschuftet. Später war er in der Edelstahl-Branche tätig. Dass er bei derlei schwerer Arbeit Erholung brauchte, ist verständlich.

von Von Alexander Füten

, 08.06.2008, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Schwestern Wilma Kossling (l.) und  Erika Ahlke probierten ganz besonderes Olivenöl bei der Ernährungsberaterin Uschi Marzina.

Die Schwestern Wilma Kossling (l.) und Erika Ahlke probierten ganz besonderes Olivenöl bei der Ernährungsberaterin Uschi Marzina.

Und in den 1970er Jahren gab es in Witten einen Geheimtipp. Das Gelände des Kneipp-Vereins an der Egge, nur ein paar hundert Meter von der Innenstadt entfernt. „Am Wochenende war hier immer viel los. Alle Arbeiter suchten mit ihren Familien Erholung“, erinnert sich der 82-jährige gern zurück.

Er ist dem Licht- und Luftbad an der Egge treu geblieben und trat dem Wittener Kneipp-Verein bei, der am Wochenende das 100-jährige der Anlage feierte. Heilpraktiker Manfred Schmidt erklärt das Konzept des Vereins: „Kneipps Gesundheitskonzept hat naturgemäß die fünf Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Heilpflanzen und eine ausgewogene Lebensgestaltung.“ Auf dem 20 000 Quadratmeter großen, mit einer Mauer umzogenen Gelände, befindet sich auch ein Kneipp-Becken.

Licht- und Luftbad

Schon vor über 40 Jahren kam Sabine Bergmann in Licht- und Luftbad. „Als Kind war ich im Sommer fast jeden Tag hier“, erinnert sie sich. „Opa Born hat immer auf uns aufgepasst. Für den ganzen Tag musten wir 10 Pfennige zahlen und konnten dafür so lange spielen wie wir wollten“, so die 53-jährige, die dem „geliebten Spielplatz“ gemeinsam mit ihrem Vater Erwin Kalkbrenner einen Besuch zum Jubiläum abstattete. Die beiden Schwestern Wilma Kossling und Erika Ahlert besuchten am Wochenende zum ersten Mal das Kneipp-Gelände. „Wir wussten gar nicht, dass es hier so eine Idylle gibt. Wir haben es aus der Zeitung erfahren und wurden neugierig. Da muss man sich ja fast für schämen“, sagte Erika Ahlert.

Gerd Lappe, der Vorsitzende des Kneipp-Vereins kennt das: „Früher kamen mehr Leute wegen dem Gelände und der Ruhe. Heute kommt aber auch die Hälfte wegen der Kneippschen Anwendungen zu uns.“ Heute zählt der Verein 70 Mitglieder, vor allem im Sommer treffen sie sich zum gemütlichen Beisammensein. Am Jubiläums-Wochenende warteten auf die Besucher Vorträge über Wassertherapie, gesunde Ernährung oder Pilates.

Ein Gottesdienst am Sonntag, ein Boule-Turnier, Musik und Grillwürstchen rundeten das bunte Programm ab. Heute kehrt wieder Ruhe ein auf dem Gelände des Kneipp-Vereins.