"Spieltanten" machen Ernst

RIEMKE Mit viel Luft in den Backen, bewaffnet mit Trillerpfeifen und Luftballons versammelten sich rund 500 Erzieher zur verdi-Versammlung auf dem Riemker Markt.

von Katrin Herbstreit

, 21.02.2008, 17:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Als verdi-Geschäftsführerin Monika Ludwig zum Mikro griff, kochte die Stimmung auf dem Riemker Markt hoch.

Als verdi-Geschäftsführerin Monika Ludwig zum Mikro griff, kochte die Stimmung auf dem Riemker Markt hoch.

Die Türen von 13 Kitas blieben am Donnerstag verschlossen, Grund waren die Warnstreiks im öffentlichen Dienst. „Eure Arbeit ist mehr wert. Es ist genug gespart worden auf Eure Kosten!“, rief Gewerkschaftssekretärin Antje Rösener den Streikenden zu und erntete ohrenbetäubende Zustimmung. Acht Prozent bzw. mindestens 200 Euro mehr Lohn fordern die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Wieso das notwendig ist, machten die Erzieherinnen auf Plakaten deutlich. „Wir sind auch Manager, aber bei uns reicht es nicht für Liechtenstein“, war da zu lesen.

1350 Euro Nettolohn

1350 Euro bringt eine Kindergärtnerin im Schnitt netto nach Hause. In den vergangenen Jahren wurden aber immer mehr Stellen abgebaut. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen, ebenso wie die Lebenshaltungskosten. Das Angebot der Arbeitgeber empfinden alle als Milchmädchenrechnung. Die Arbeitszeit soll darin auf 40 Stunden und der Lohn insgesamt um 2,9 Prozent erhöht werden. Dadurch wäre der Stundenlohn geringer als vorher und weitere Stellen wären in Gefahr.

„Enormer Zulauf“

Mit Sarkasmus reagierte Sabine Uhlenkott, ehrenamtliche verdi-Sprecherin, auf solche Vorschläge: „Wenn das ein Angebot sein soll, dann weißt das auf die Mängel im Bildungssystem und eklatante Lücken in Mathematik hin. Wir sind doch keine kaffeetrinkenden Spieltanten“. Auch verdi-Geschäftsführerin Monika Ludwig wies auf das hohe Engagement hin: „Viele Ideen werden ausschließlich in der Freizeit entwickelt“. Doch sie befürchtet weitere Streiks, denn die Fronten sind verhärtet. „Es wird uns vorgeworfen, zu Streiken um des Streikens willen“, spekuliert Ludwig. Und weiter: „Dabei kann man schon an dem enormen Zulauf an Mitgliedern seit Jahresbeginn erkennen wie wichtig der Streik ist“.

Verhandlung in Potsdam

Anfang nächster Woche laufen neue Verhandlungen in Potsdam. Sollten sie ohne Einigung enden, kommt es zu erneuten Warnstreiks. Leicht ist das für die betroffenen Eltern nicht, doch momentan stehen sie noch hinter den Streikenden. „Die Unterstützung ist riesig, wir sind darüber sehr glücklich“, so Ludwig.