„Spotlight“: Gegen das Schweige-Kartell

Neu im Kino

Bei uns wird über die "Lügenpresse" krakeelt, auch in Amerika suchen viele die Wahrheit nicht in der Zeitung, sondern in Internetforen und obskuren Blogs.

28.02.2016, 13:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
„Spotlight“: Gegen das Schweige-Kartell

Szene aus „Spotlight“ mit (v.l.)Rachel McAdams, Mark Ruffalo und Brian D’Arcy James.

Vor diesem Hintergrund wirkt ein Film wie "Spotlight" richtig wohltuend, zeigt er doch, was die vornehmste Aufgabe von Journalisten ist: Fakten sammeln, aufdecken, was zum Himmel schreit.

"Spotlight" rekonstruiert die Arbeit von Redakteuren des "Boston Globe", die im Jahre 2000 einem Skandal auf die Spur kamen, der nicht nur Boston erschüttern sollte. Kann es sein, dass in ihrer Stadt Dutzende von Priestern sich an Kindern vergingen, die Kirche aber diese Männer schützt?

Thriller auf leisen Sohlen

Erst sind es nur einzelne Fälle, von denen der Globe Wind bekommt. Der Sumpf wird tiefer und tiefer.

Gibt es ein Muster? Sind Anwälte beteiligt, die mit Opfern Vergleiche aushandeln? Was weiß der Kardinal? Wie groß ist das Kartell des Schweigens?

Ein Recherche-Team unter Walter Robinson (Michael Keaton) wühlt in Archiven, befragt Zeugen und Insider, verbeißt sich in das Thema. "Spotlight" (Regie: Tom McCarthy) ist ein Thriller auf leisen Sohlen.

Vielleicht nicht so packend wie "Die Unbestechlichen", doch befeuert vom selben Drang: Der Wahrheit ans Licht zu helfen und die zu würdigen, die diese Arbeit leisten.

Mark Ruffalo, Rachel McAdams und Brian D’Arcy James spielen (nach realen Vorbildern) die Spürhunde vom Globe und sie machen das gut. Es sind keine übermenschlichen Helden, aber Leute, die für ihren Beruf brennen. Liev Schreiber ist als Herausgeber des Blattes zu sehen, der ihnen den Rücken stärkt.

Man lernt einiges über redaktionelle Abläufe, wie Profis Informationen sammeln und eine Story wasserdicht machen.

Team ausgezeichnet

Nach dem Film weiß man, was Qualitäts-Journalismus heißt, auch dass monatelange Recherche ins Geld geht. Das Team vom Globe bekam 2003 den Pulitzerpreis, das Zeitungssterben aber ging weiter.