Staatsanwalt will lange Haft für "Albtraum-Täter"

Seniorin gequält und beraubt

Es klingelt an der Tür, dann begann ein unfassbares Martyrium: Im September 2016 wurde eine Seniorin aus Recklinghausen zu Hause gefesselt, in einen Teppich gerollt und ausgeraubt. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft für einen der „Albtraum-Täter“ acht Jahre und vier Monate Haft beantragt. Das Urteil soll am 3. April fallen.

BOCHUM

22.03.2017, 16:19 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Automechaniker (50) hatte im Prozess vor dem Bochumer Landgericht ein Geständnis abgelegt und dabei auch den Namen seines damaligen  Komplizen verraten. Der Landsmann sitzt nun inzwischen auch in U-Haft. Das Urteil soll nun am 3. April verkündet werden.

"Bewusst geplanter Raubüberfall"

Während die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten seine Geständnis-Version abnahm, dass er bei einem anderen Mann Geld eintreiben wollte, sich dabei dann aber in der Haustür geirrt hat, ist sich Opferanwältin Andrea Wilhelm (Recklinghausen) sicher: „Das war ein bewusst geplanter Raubüberfall.“ Allein die mitgebrachten Tatwerkzeuge (Klebeband, Plastiktüte) sprächen eine eindeutige Sprache.

Der Überfall war unfassbar gefühllos und unglaublich brutal. Kaum hatte die Seniorin damals um 12.30 Uhr auf ein Türklingeln geöffnet (sie dachte ihr Mittagessen kommt), wurde sie laut Staatsanwaltschaft auch schon niedergeschlagen. Dann wurde ihr von dem Angeklagten eine Tüte ins Gesicht gepresst, sie wurde an Händen und Füßen mit Klebeband gefesselt und in einen Teppich gerollt. Bevor das Räuber-Duo am Ende mit Bargeld, Schmuck und einem Handy flüchtete, wurde die gefesselte Seniorin schließlich in den Keller verbracht.

Alte Dame traut sich nicht mehr vor die Tür

„Sie hatte Todesängste“, so Opferanwältin Andrea Wilhelm. Die alte Dame traue sich so gut wie gar nicht mehr alleine vor die Tür. Ihre Wohnung sei nun gesichert „wie Fort Knox“. Eine Verwandte hatte die 70-Jährige damals im Garten des Wohnhauses entdeckt, wohin sie sich aus dem Keller hingekämpft hatte. Als die Seniorin damals nach ihrer Befreiung von den Hand- und Fuß-Fesseln eine ihrer Hände erstmals wieder öffnete, lag darin ein ausgeschlagener Stiftzahn und ein Schließfachschlüssel.