Stadt gibt keine Bestands-Garantie für Solar-Betreiber

Geschäft geplatzt

WITTEN 9,37 Prozent Rendite pro Jahr einstreichen. In Zeiten des Börsen-Tiefs klingt das wie ein Märchen. Aber für Geschäftsmann Gerd Nickel ist das die Realität. Er hat eine der größten Fotovoltaik-Anlagen der Stadt. Sein neustes Projekt ist nun jedoch geplatzt.

von Von Lisa Timm

, 17.07.2009, 07:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Keinerlei Sicherheit für Solar-Investoren: Die Stadt behält sich vor, die Solardach-Gebäude auch während der Laufzeit der Nutzungsvereinbarung verkaufen oder abreißen zu können.

Keinerlei Sicherheit für Solar-Investoren: Die Stadt behält sich vor, die Solardach-Gebäude auch während der Laufzeit der Nutzungsvereinbarung verkaufen oder abreißen zu können.

Daher war er froh gelaunt, als der Rat der Stadt 2008 seine Anregung aufgriff, städtische Dachflächen zum Bau von Fotovoltaik-Anlagen bereit zu stellen. Im April 2009 bewarb er sich um die Dachflächen von Ruhr-Gymnasium und Holzkamp-Gesamtschule.   Zusammen mit Interessenten, die sich zu einer Bürger-Solar-Gesellschaft zusammen schließen sollten, wollte er die Anlagen mit rund 2000 Quadratmetern Gesamtfläche betreiben.

Aber daraus wird nun nichts: Im Dachflächen-Nutzungsvertrag stolperten Nickel und sein Anwalt über einen Passus, der den Solar-Investoren keinerlei Sicherheit bietet. Die Stadt behält sich nämlich vor, die Solardach-Gebäude auch während der Laufzeit der Nutzungsvereinbarung stilllegen, verkaufen oder abreißen zu können. Und sie spricht sich für den Fall eines Gebäude-Abrisses von jeglicher Haftung frei. Das aber entzieht für Nickel jeden Grund zu investieren. „Denn Fotovoltaik-Anlagen amortisieren sich erst nach 20 Jahren“, so Nickel. Da lässt er bei solchen Vertragsvereinbarungen lieber die Finger von.

Nickel verweist auf die Stadt Dortmund, die seiner Ansicht nach in Sachen Klimaschutz mit gutem Beispiel voran geht. „Pachtverträge mit Investoren haben dort eine Laufzeit von zehn und 20 Jahren“, so Nickel. Zwölf Fotovoltaik-Anlagen auf städtischen Dächern gibt es in Dortmund schon. Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke wollte eine Stellungnahme zu dem Vorgang nicht abgeben. „ Ich werde mich nicht zu vertraulichen Vertragsverhandlungen öffentlich äußern.“