Stadt mit neuem Konzept für Flüchtlingsunterkünfte

Vorstellung im Bochumer Rathaus

150 Asyslsuchende kommen Woche für Woche nach Bochum. Die Stadt hat alle Hände voll damit zu tun, alle Menschen unterzubringen. Jetzt hat die Verwaltung beschlossen, ihr Konzept zur Betreuung von Flüchtlingen zu ändern.

BOCHUM

, 21.01.2016, 06:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stadt mit neuem Konzept für Flüchtlingsunterkünfte

Eine von neun Leichtbauhallen auf dem Gelände des ehemaligen Opel-Parkplatzes an der Alten Wittener Straße in Bochum-Laer.

Die Stadt will die Betreuung ihrer neuen Flüchtlingsunterkünfte in die Hände von Wohlfahrtsverbänden geben. Das erklärte Sozialdezernentin Britta Anger am Mittwoch bei einem Pressegespräch im Rathaus. Bis zum Sommer werden in Bochum 2200 neue Plätze für die Unterbringung von Asylsuchenden entstehen. Hier sollen sich dann nach einer entsprechenden Ausschreibung Verbände wie die Caritas um die Unterkünfte und deren Bewohner kümmern. Ob es allerdings bei den Wohlfahrtsverbänden als Träger der Einrichtungen bleibt, ist noch nicht abschließend geklärt. "Es ist noch zu früh, kommerzielle Anbieter auszuschließen", sagte Stadtsprecher Thomas Sprenger.

261 Standorte in Bochum

Laut Stadtdezernent und Flüchtlingskoordinator Michael Townsend leben derzeit 5500 Flüchtlinge an insgesamt 261 Standorten in der Stadt. Dazu gehören nicht nur Übergangswohnungen, sondern auch Notunterkünfte wie Turnhallen oder ehemalige Industriegebäude.

 

"Wenn es so weitergeht wie jetzt, haben wir bis Ende des Jahres 8000 neue Flüchtlinge", so Townsend. "Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, die Menschen unterzubringen." So werden nicht nur mit Wohnungsgesellschaften Vereinbarungen getroffen, sondern auch mit privaten Vermietern. Flüchtlinge, die Aussicht auf einen Verbleib in Deutschland haben, werden in Wohnungen untergebracht. Insgesamt 20 Sozialarbeiter der Stadt helfen den Menschen nicht nur in Amtsangelegenheiten. Sie zeigen ihnen auch, wie man Müll entsorgt oder wann man Schnee schippen muss. Doch auch hier ist das Personal trotz geschätzter 1600 ehrenamtlicher Helfer in ganz Bochum knapp. "Wegen der Haushaltssicherung kann ich nicht einfach jede Woche einen Sozialarbeiter einstellen, obwohl ich das gerne würde", so Britta Anger.

Kosten als Streitpunkt

Die nicht abzuschätzenden Kosten sind auch dem Stadtdezernenten ein Dorn im Auge. "Der Druck im Kessel steigt an allen Stellen an", so Townsend. Es sei ein Gebot der Gerechtigkeit, dass die Kommunen nicht auf den Kosten sitzenbleiben. Sparen wird die Stadt durch die Abgabe der Unterkünfte jedenfalls nicht. Dadurch, dass die Stadt die Betreuung ihrer neuen Unterkünfte an die Wohlfahrtsverbände abgibt, könne sie sich nun auf die anderen notwendigen Aspekte der Integration und Versorgung konzentrieren, sagte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch bei einem Vortrag am Dienstagabend.

 

Neuer Platz für Flüchtlinge könnte vor allem dann entstehen, wenn das Land Nordrhein-Westfalen seine Einrichtungen in Bochum aufgibt. Diese Räume werden dann von der Stadt genutzt, sagte Townsend. Der Stadtdezernent ging zudem auf die angekündigten Abschiebungen von in Bochum lebenden Flüchtlingen ein. Derzeit gebe 1000 Menschen mit abgelehntem Asylantrag. Die Stadt müsse dann die Beschlüsse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ausführen. Allerdings sei eine Abschiebung nicht immer durchführbar.

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