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Stadt plant 78 Wohneinheiten auf Weitmarer Bahnhofsgelände

Neubauten statt Natur

Urwüchsige Natur, ein Abenteuerspielplatz für die Kinder. Die Weitmarer Bürger lieben ihr Naherholungsgebiet um das Gelände des alten Bahnhofs. Doch das Gebiet An der Holtbrügge soll für 78 neue Wohneinheiten zerstört werden. Die Anwohner sind entsetzt, sie gründeten eine Bürgerinitiative.

BOCHUM

von Von Andrea Wellerdiek

, 22.10.2013
Stadt plant 78 Wohneinheiten auf Weitmarer Bahnhofsgelände

Die Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar um Jürgen Dassow setzt sich für den Erhalt des Naherholungsgebiets rund um das Gelände des ehemaligen Bahnhofs ein. Die Stadt plant die Erschließung eines Neubaugebiets für 78 Wohneinheiten. Foto: Wellerdiek Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar Jürgen Dassow Neubaugebiet Bebauung An der Holtbrügge

Sie werfen der Stadt unmoralisches Handeln vor. „Die Stadt kennt die erheblichen Umweltauswirkungen, die der Bebauungsplan beinhaltet“, sagt Jürgen Dassow von der Bürgerinitiative Bahnhof Weitmar. Diese gehen auch aus dem städtebaulichen Vorentwurf und der Umweltprüfung hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Mit der Erschließung des Neubaugebiets, das zwölf Einfamilienhäuser, 48 Doppel- sowie 18 Reihenhäuser vorsieht, müsste eine Grünfläche von rund 10.000 Quadratmeter vernichtet werden. Für zwölf Luxushäuser müsste der 8000 Quadratmeter fassende Nordwald abgeholzt werden.

Es geht um einen Waldstreifen von rund 50 Metern Breite. „Wir haben hier jeden Baum umarmt. Es sind über 50 Bäume, die unter die Baumschutzfassung fallen“, sagt Dassow. Während der Lehrer das Gelände als Naherholungsgebiet sieht, schätzt Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch dies anders ein. „Das ist ein altes Eisenbahnrangier-Gelände, mit allem was dazu gehört. Das ist kein Biotop. Das Gelände ist als Bodenbaufläche ausgewiesen. Wir wollen den Bebauungsplan umsetzen.“ Nach dem Bau der zwölf Einfamilienhäuser würde der neue Springorum-Radweg direkt hinter den Gärten verlaufen. Denn auch der Radweg müsste bei einer Umsetzung der Baupläne auf den alten Wirtschaftsweg des Kraftwerkes Springorum umgelenkt werden – rund 100 Meter von der vorgesehenen Fläche entfernt. Auf der neuen Strecke befürchtet Anwohner Jürgen Dassow ein anderes Problem.

Die Stadt habe zwar im Frühjahr das Gelände bereits auf alte Bomben kontrolliert, eine Suche nach Altlasten habe das Bauamt aber noch nicht veranlasst, so Dassow. Diese Untersuchung erfolgt im kommenden Jahr, so Kratzsch. Da der Bahnhof Weitmar damals als Zwischenstation für Lieferungen für das Stahlwerk Thyssen Krupp diente, ist bei Bodenuntersuchungen ein Fund von giftigen Stoffen möglich. Dassow spricht sich zwar für den neuen Radweg aus, dieser solle aber an der bislang dafür vorgesehenen Strecke gebaut werden. Diese erschließt sich genau entlang der alten Bahntrasse, auf der 1999 der letzte Zug gefahren ist. Der Weg führt geradlinig über das Gelände und an dem alten Bahnhofsgebäude vorbei. Hier bestehe die Möglichkeit, ein Museumscafé für die Radfahrer zu installieren, so Dassow.

Verwirklicht die Stadt jedoch ihr Bauvorhaben, würde das alte Bahnhofsgebäude, das um 1890 gebaut wurde, abgerissen. Auch der natürliche Hang und eine Stützmauer auf der Seite des Südwalds müssten weichen. So hätten die Weitmarer Bewohner weniger Grünflächen zur Verfügung. Darüber hinaus kritisiert die Bürgerinitiative das fehlende Verkehrskonzept. Auf Höhe des alten Bahnübergangs auf der Straße An der Holtbrügge ist mit einer erheblichen Verkehrszunahme wegen eines Nadelöhrs zu rechnen. Denn an dieser Stelle würde es die einzige Einfahrt in das Neubaugebiet geben. Auch die Straße, die durch das neue Wohngebiet führen soll, sorgt für Ärger.

„Die Stadt hat die Straße bewusst nicht mit einberechnet“, sagt Dassow. So geht es im Bebauungsplan um eine Grundfläche von 17.000 Quadratmetern. Ohne die rund 500 Meter lange und 5000 Quadratmeter fassende Straße bleibt der sogenannte Schwellenwert von 20.000 Quadratmetern unterboten. So kann die Stadt das beschleunigte Verfahren anwenden. Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch weist die Vorwürfe zurück. „Das ist Quatsch. Das ist alles richtig berechnet worden.“ Erst im Frühjahr entscheidet der Rat der Stadt darüber, ob ein Teil der urwüchsigen Natur für die Neubauten weichen muss.