Freiberufliche Experten können bei der Stadt Unna weiterhin Geld verdienen. Nach hohen und teils unnötigen Ausgaben für die Planung von dann gar nicht umgesetzten Bauten steht nun das nächste Großprojekt bevor.

Unna

, 14.08.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von seinen Dimensionen her würde es zu den teuersten der Stadtgeschichte gehören: 26,6 Millionen Euro gibt eine erste Kostenschätzung für einen Neubau der Hellweg-Realschule an.

Architekten steht daher ein lukrativer Auftrag ins Haus, denn ihr Hononar leitet sich auch von den Baukosten ab. Und ein Neubau für Unnas Realschule wäre zumindest nach den Schätzungen teurer als das vor einigen Wochen verworfene Projekt am Busbahnhof: Dort wollte die Stadt-Tochter WBU ein neues Bürogebäude und ein Parkhaus errichten. Rund 15 Millionen Kosten hatte eine erste Schätzung ausgewiesen. Dann allerdings lösten marktnähere Zahlen einen Kostenschock aus.

Der Aufsichtsrat der WBU legte das Projekt auf Eis. Doch schon Planung und Architektenwettbewerb hatten Kosten von fast 490.000 Euro verursacht, von denen die Stadt nicht mehr fortkommt. Und diese Kostensteigerung war kein Einzelfall.

Auch der Neubau der Freitreppe am Rathaus wurde plötzlich teurer – und deshalb von der Stadt verworfen. Kritische Stimmen aus der Politik warnen nun davor, weiter Geld für Planungen auszugeben, dessen Umsetzung fraglich ist. Die Ratsfraktion der Linken etwa will das Thema in ihrer Haushaltsplanberatung behandeln, die noch in diesem Monat anlaufen wird. SPD und CDU hatten sich schon im Frühling für ein Baukostencontrolling ausgesprochen, das Überraschungen verhindern soll. Allerdings ging es den beiden Großfraktionen seinerzeit um den Anstieg von Kosten an sich. Die „Nebenfolge“, dass ein Projekt gar nicht verwirklicht wird, aber die Stadt doch für die Arbeit von Sachverständigen aufkommen muss, war ihnen seinerzeit noch gar nicht ersichtlich.

Planung schon einmal abgebrochen

Sorgen, dass auch die Hellweg-Realschule unnötige Planungskosten verursachen wird, ruhen auf zwei Säulen. Zum einen ist da die Erfahrung, dass die Rechenwege mit dem aktuellen Baukostenindex teils nicht mehr geeignet sind, die Realitäten des Marktes abzubilden, an dem gut ausgelastete Anbieter nicht darauf angewiesen sind, sich mit bescheidenen Forderungen Aufträge zu sichern. Zum anderen ist da aber auch die Erfahrung, dass der Neubau der Hellweg-Realschule bereits einmal abgebrochen worden ist. Für eine „Ertüchtigung“ der Realschule an ihrem derzeitigen Standort hatte die Stadt schon einmal eine Vorplanung angeschoben, deren Ergebnisse dann aber verworfen wurden. Wie viel Geld dabei verschwendet wurde, ist nicht eindeutig zu ermitteln. Bauchfachliche Pläne seien im Rathaus in Eigenleistung und daher kostenneutral erstellt worden. Eine fachliche Begleitung gab es allerdings auch in den Seminartreffen, auf denen Unna über das pädagogische Raumkonzept der Realschule diskutiert hat. Sie hat 25.000 Euro gekostet.

Sechsstellige Planungskosten

Im Juli wurde die Planung der Hellweg-Realschule quasi neu gestartet. Weil eine Altbausanierung immer die Gefahr „böser Überraschungen“ bietet und ein Neubau auch neue Möglichkeiten bringen kann, erteilte die Politik der Verwaltung den Auftrag einer Realschulplanung für das Gelände des ehemaligen Freizeitbades.

Dessen Kosten lassen sich derzeit nur schwer berechnen. In einem Sachstandsbericht für die Politik verglichen die Behörden beide Szenarien für die Massener Realschule: Sanierung und Erweiterung würden die Stadt 20 Millionen Euro kosten. Dabei schlägt die Arbeit von Fachplanern mit geschätzt 800.000 Euro zu Buche. Ein Neubauszenario beschreibt die Stadt mit 26,6 Millionen Euro. Die Planungskosten nennt sie allerdings nicht.