Stadtwerke bauen Wasserwerk Stiepel um

Ökostrom statt Trinkwasser

Trinkwasser aus Bochum – das wird es bald nicht mehr geben. Die Stadtwerke schließen im Herbst das Wasserwerk in Stiepel, weil eine Modernisierung nach den neuen Landesrichtlinien zu teuer würde. Dafür wird die Ökostrom-Produktion an der dort vorhandenen Wasserkraftanlage ausgebaut.

BOCHUM

, 15.07.2015, 18:05 Uhr / Lesedauer: 1 min
Stadtwerke bauen Wasserwerk Stiepel um

Das Wasserwerk in Stiepel wird kein Trinkwasser mehr liefern.

Wasser, das komplett aus Bochum stammt, haben die Bewohner der Stadt auch in den vergangenen Jahren nicht getrunken: „Bochumer Haushalte bekommen heute bereits ‚gemischtes‘ Wasser aus den Wasserwerken in Essen-Horst, Bochum-Stiepel und Witten-Heven“, sagt Kai Krischnak, Sprecher der Stadtwerke Bochum.

14 Millionen Kubikliter Wasser werden im Wasserwerk Stiepel derzeit gewonnen. Um dies auch in Zukunft zu gewährleisten, wäre der Bau eines neuen Aufbereitungsgebäudes im Ruhrtal notwendig: Die Landesregierung hat die Wasserwerke an der Ruhr im Jahr 2010 aufgefordert, zum vorbeugenden Gesundheitsschutz die Wasseraufbereitungen, soweit noch nicht vorhanden, um eine Flockungs-, Ozonungs- und Aktivkohleadsorptionsstufe sowie eine UV-Desinfektion zu ergänzen.

Strenge Grenzwerte

Das Wasserwerk in Stiepel erfüllt die strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung zwar, müsste aufgrund der behördlichen Anordnung jedoch um eine neue Ozonung und Aktivkohleadsorption ergänzt werden. Eine Modernisierung würde rund 20 Millionen Euro kosten.

Die Stadtwerke haben deshalb die deutlich wirtschaftlichere Option gewählt und bauen derzeit für rund 7,5 Millionen Euro eine Wasserleitung vom Wasserwerk Witten, das von den Wasserwerken Westfalen betrieben wird, durch das Lottental zum Trinkwasserbehälter in Stiepel. Zu zwei Dritteln wird das Wittener Wasser die Bochumer Trinkwasser-Produktion ersetzen, das weitere Drittel kommt aus Essen dazu.

Strom für 1000 Haushalte

„Änderungen hinsichtlich der Trinkwasserparameter ergeben sich kaum, da es sich um das gleiche Wasser handelt, das lediglich einige Kilometer weiter flussabwärts beziehungsweise flussaufwärts an der Ruhr gewonnen wird“, sagt Kai Krischnak.

Während die Wasserproduktion am Werk in Stiepel eingestellt wird, bauen die Stadtwerke die Ökostromproduktion am Standort aus. Die Wasserbeschaffung Mittlere Ruhr, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Bochum und Gelsenwasser, investiert rund 1,6 Millionen Euro in die Modernisierung der dort bereits vorhandenen Wasserkraftanlage.

Nach derzeitigen Planungen soll sie dann pro Jahr 3,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das reicht für die Versorgung von etwa 1000 Haushalten. In den vergangenen Jahren wurden dort nur durchschnittlich 0,6 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.