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Stadtwerke Bochum brechen mit Promi-Vermittler

Atrium-Talk

Die Stadtwerke Bochum wollen alle Verträge mit Promi-Vermittler Sascha Hellen fristlos kündigen und eine sechsstellige Summe zurückfordern. Nach Informationen unserer Redaktion hat Hellen das Kündigungsschreiben bereits erhalten.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 12.12.2012 / Lesedauer: 3 min
Stadtwerke Bochum brechen mit Promi-Vermittler

Promi-Vermittler Sascha Hellen.

Dazu wollten sich jedoch weder der Promi-Vermittler selbst, noch die Stadtwerke, noch die Aufsichtsratsvorsitzende und Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz dazu äußern. Die Beteiligten in der Honorar-Affäre um den Atrium-Talk der Stadtwerke, bei dem prominente Redner Honorare von bis zu 25.000 Euro für einen Abend kassierten, haben sich bis zur Pressekonferenz am Donnerstag einen Maulkorb verpasst. Erst dann soll die Kündigung offiziell bestätigt werden.  Die Stadtwerke wollen auch ihr Sponsoringengagement beim Steiger Award und dem Projekt Herausforderung Zukunft (mit jährlich 125.000 Euro) vorzeitig beenden. Der Vertrag läuft eigentlich noch bis 2015.

 Doch die Verträge sehen eine Kündigung aus „wichtigem Grund“ vor. „Der Vertrauensverlust kann so ein wichtiger Grund sein“, sagt Jens Lücking, Anwalt und Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke. „Das Vertrauen ist gerade dann wichtig, wenn man derart viel mündlich vereinbart hat.“ Wie berichtet, behaupten die Stadtwerke, sie hätten mit Promi-Vermittler Hellen mündlich vereinbart, dass die Honorare beim Atrium-Talk zu spenden seien. Hellen bestreitet das. Der Fall war bekannt geworden, nachdem Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) seine Vortragshonorare veröffentlichte. Von den Stadtwerken bekam er 25.000 Euro. Von einer Spende wusste der Politiker nichts.Nach Informationen unserer Redaktion soll Promi-Vermittler Hellen jedoch auch nicht alle Honorare in voller Höhe weitergeleitet haben. So stellte er für den Auftritt des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zwei Rechnungen über insgesamt 40.000 Euro an die Stadtwerke, wie ein Mitglied des Aufsichtsrates bestätigt. Weizsäcker selbst bekam jedoch nur 22.000 Euro überwiesen, wie die Agentur von Weiszäcker erklärte.

 Auch im Fall von Joachim Gauck gibt es Unstimmigkeiten. Hier soll Hellen die Umsatzsteuer in Höhe von 4750 Euro einbehalten haben. Das Geld für den abgesagten Auftritt von Mario Adorf (10.000 Euro) soll bis heute nicht an die Stadtwerke zurückgezahlt worden sein. Obwohl es dafür eine Frist gab. „Die Stadtwerke werden sich bis zur Pressekonferenz am Donnerstag nicht zu dem Thema Atrium-Talk äußern“, erklärt Sprecherin Heike Paplewski auf die Anfragen unserer Redaktion zu den drei Fällen.  Unklar ist, wie es mit den anderen Veranstaltungen von Hellen in Bochum weitergeht. Zur Zukunft des von Hellen erdachten Steiger Award will sich Ottilie Scholz ebenfalls erst am Donnerstag äußern.