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Stahlkonzern Outokumpu kündigt Aus für Bochumer Werk an

450 Jobs in Gefahr

Der finnische Edelstahlkonzern Outokumpu plant vor dem Hintergrund hoher Verluste ein vorzeitiges Aus für sein Bochumer Stahlwerk. Das Schmelzwerk mit rund 450 Beschäftigten werde voraussichtlich bereits im Verlauf des kommenden Jahres geschlossen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Die Gewerkschaft schlägt Alarm - und das Bochumer Werk hat sich abgeschaltet. Aus Protest.

HELSINKI/BOCHUM

von Von Dominik Möller und Benedikt Reichel mit dpa

, 01.10.2013

"Diese Pläne sind ein klarer Verstoß gegen die Tarifverträge, die wir im Januar 2012 abgeschlossen haben", sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW. In den Verträgen sei eine Sicherheit für die Standorte bis 2015 vereinbart und betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen worden. "Das Vorgehen von Outokumpu ist eine Provokation, die wir nicht hinnehmen werden", so Giesler. Als erstes Zeichen des Protests, haben die Bochumer MItarbeiter die Arbeit niedergelegt. Die Produktion ruht.

Der weltgrößte Edelstahlkonzern hatte nach der Übernahme des ehemals zur ThyssenKrupp-Edelstahlsparte gehörenden Werks zunächst angekündigt, die Wirtschaftlichkeit der Anlagen in Bochum bis Ende 2015 überprüfen zu wollen. Der europäische Edelstahlmarkt ist laut IG Metall seit Jahren durch starke Preischwankungen, eine schwache Nachfrage, Druck durch Importe und durch Überkapazitäten geprägt."Wenn Outokumpu beabsichtigt, die Tarifverträge zu brechen, wäre das ein einmaliger Vorgang. Das Unternehmen riskiert einen ernsthaften Konflikt mit der IG Metall", so Giesler. Die Gewerkschaft werde gemeinsam mit den Beschäftigten dafür kämpfen, dass die Verträge eingehalten würden.

Zusätzlich zu der Schließung in Bochum sei der Abbau von rund 800 Stellen in Deutschland bis Ende 2017 geplant, sagte eine Sprecherin. Betroffen seien unter anderem die Verwaltung und ein Stahl-Service-Center mit 30 Beschäftigten in Langenhagen bei Hannover. Am Standort Krefeld mobilisiert sich derweil schon der Widerstand. Ab 13.30 Uhr soll der Betriebsrat die Belegschaft informieren. Ob am Standort Bochum ähnliche Aktionen geplant sind, ist aktuell völlig unklar.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat die Pläne des finnischen Edelstahlkonzerns Outokumpu zur vorzeitigen Schließung seines Bochumer Stahlwerks scharf kritisiert. Sie habe gegenüber Outokumpu-Chef Mika Seitovirta das „große Befremden der Landesregierung“ deutlich gemacht, dass Outokumpu bestehende Verträge nicht einhalte, heißt es in einer Mitteilung. „Dieses Verhalten verstößt gegen die Unternehmenskultur in diesem Land“, so Kraft. Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) bezeichnete den „einseitigen Bruch geltender Tarifverträge“ als schweren Schlag gegen die sozialpartnerschaftliche Kultur in NRW.

Ein drohendes vorzeitiges Aus für das Bochumer Werk wäre ein neuer harter Schlag für die Stadt Bochum. Zuletzt hatte die Adam Opel AG angekündigt, sich aus Bochum zurückzuziehen und die Werke mit fast 4000 Beschäftigten bis Ende 2014 zu schließen. "Dass sind eine Menge Mitarbeiter, die dringend darauf angewiesen sind, einen Arbeitsplatz zu finden", hatte Luidger Wolterhoff, Leiter der Bochumer Arbeitsagentur, erklärt. Nun könnten noch weitere 450 Arbeiter, die ihren Job bei Outokumpu verlieren, die Situation weiter verschärfen. Zuvor hatte sich der finische Handyhersteller Nokia 2008 aus Bochum zurückgezogen. 2000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Auf dem ehemaligen Fabrikgelände von Nokia konnte bislang nur ein Bruchteil neuer Arbeitsplätze angesiedelt werden.  Die Arbeitslosenquote ist in Bochum inzwischen wieder auf 10,3 Prozent geklettert. Das sind sieben Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Und die dramatischen Werksschließungen stehen erst noch an.