Stahlriesen sind Museumsstücke am Kanal

Tag des offenen Denkmals

85 Tonnen schwer ist das jüngste Exponat des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop. Und 64 Jahre alt. Acht Jahre wurde der große Kran in der Restaurationswerkstatt von Metallbaumeister Patrick Schad auf Vordermann gebracht. Jetzt glänzt seine blaue Lackierung wie neu. Und beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag (11.9.) können die Besucher ihn sogar in Aktion erleben.

WALTROP

, 05.09.2016, 14:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Drei neue Kräne stehen am Schiffshebewerk nun am Kanal. Der blaue ist mit 25 Metern Höhe der größte und stammt aus dem Jahr 1952. Er war in der Triton-Werft in Duisburg im Einsatz. Fünf Tonnen kann der Stahlkoloss heben. "Er war sehr verrostet, und auch das Getriebe saß fest. Nicht nur optisch, auch technisch haben wir ihn zu 100 Prozent wieder aufgearbeitet", erklärt Metallbauermeister Patrick Schad.

Mit sieben Kollegen hat er sich um die drei Industrie-Schätzchen gekümmert. Und beim Tag des offenen Denkmals wird Schad auch mit einem Kollegen vor Ort sein, den Kran Schiffsteile heben lassen und Fragen der Besucher beantworten. Zum Beispiel die, warum der Kran mit einer Fernbedienung und nicht aus der Kabine gesteuert wird. - Eine TÜV-Vorschrift.

Zwillingsdampfmaschine

Ein Prunkstück ist der kleinere schwarze Demak-Dampfkran aus dem Jahr 1922. Seine Zwillingsdampfmaschine wurde früher mit Kohle angetrieben. Auf dem Bergwerk Niederberg am Niederrhein hat er auf Schienen Lasten bewegt.

Die Restauratoren haben die Kabine mit Plexiglas verkleidet, damit die Besucher die Technik - die Dampfmaschine und den Dampfkessel - sehen können.

Vier Lastenträger aus verschiedenen Zeiten

Gegenüber steht ein historischer Massenumschlagskran, aus dem Jahr 1930. Er hat früher der Spedition Nagel in Dorsten gute Dienste geleistet. Dieses Museumsstück kann zwar keine Lasten mehr heben, aber sein Maschinenhaus komplett drehen und auf den Gleisen fahren.

Mit dem großen gelben Kran (auch Baujahr 1930), der schon länger auf dem Museumsgelände steht, kann das LWL-Museum nun vier Lastenträger aus verschiedenen Zeiten mit ganz unterschiedlichen Funktionen zeigen.

Wasser-Oldtimer

"Wir haben alle Kräne ganz auseinandergebaut, um sie zu restaurieren", erklärt Schad. Und wenn Ersatzteile nicht mehr zu beschaffen waren, "dann haben wir sie uns eben selbst gebaut", sagt er.

Ein Besuch in dem schön angelegten Museum am Dortmund-Ems-Kanal lohnt sich wirklich - nicht nur am Denkmalstag.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Kräne im Schiffshebewerk Henrichenburg

01.09.2016
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Der große gelbe Kran steht schon seit einiger Zeit auf dem Außengeländes des Schiffsgebewerks Henrichenburg. Drei weitere historische Kräne sind jetzt hinzugekommen.© Foto: Gass
Patrick Schad ist Metallbaumeister und Restaurateur im Metallhandwerk. Er hat mit sieben Kollegen in Dortmund auch diesen großen, blauen kran aus dem Jahr 1930 restauriert.© Foto: Gass
Dieser Massenumschlagskran aus dem Jahr 1930 fährt auf Schienen und kann seine Kabine komplett drehen.© Foto: Gass
Am Führerhaus des Massenumschlagskrans haben auch Holzrestauratoren mitgearbeitet.© Foto: Gass
Mit dem historischen Boot Nixe dürfen die Besucher am Denkmaltag über den Kanal schippern.© Foto: Gass
Patrick Schad vor dem Demak-Dampfkran aus dem Jahr 1922. Seine Kabine wurde mit Plexiglas verkleidet, damit die Besucher die Technik sehen können.© Foto: Gass
25 Meter hoch ist der große blaue Kran. Er kann noch Lasten von bis zu fünf Tonnen heben.© Foto: Gass
Der gelbe Kran steht schon länger am Dortmund Emskanal. Er wurde 1930 gebaut.© Foto: Gass
Der blaue Kran steht neben der Metallwerkstatt der Restauratoren und auch neben der Halle, in der die Sonderausstellung "Reif für die Insel" zu sehen ist. Er stellt eine schöne letzte Landmarke auf dem Museumsgelände dar.© Foto: Gass

Wer längere Zeit nicht mehr dort war, wird staunen, wie schön vor allem die Außenanlage gestaltet ist, wo die Geschichte der Binnenschifffahrt sehr gut erfahrbar wird. - Mit rund 20 weiteren Wasser-Oldtimern, mit Spielplätzen und Gastronomie. Und auch die Sonderausstellung "Reif für die Insel" ist noch zu sehen.

Denkmaltag ist eine Erfolgsgeschichte

Zum 24. Mal dürfen die Besucher am zweiten Wochenende im September auch hinter Türen blicken, die sich sonst nicht so leicht öffnen. Und der „Tag des offenen Denkmals“ ist seit der Premiere 1993 eine Erfolgsgeschichte, und die Besucherzahlen steigen beständig an. 2015 kamen vier Millionen Besucher.

Rund 8000 kulturelle Orte sind am 11. September zu besichtigen – so viele wie nie zuvor. Schauplatz der bundesweiten Eröffnung ist in diesem Jahr Augsburg. Mit ihrer historischen Wasserwirtschaft sowie den prächtigen Renaissancebrunnen im Zentrum will die Stadt demnächst auf die UN-Welterbeliste.  

"Gemeinsam Denkmale erhalten"

Das diesjährige Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“ verweist darauf, dass Denkmalpflege nicht nur Sache von Staat und Behörden ist, sondern auch des bürgerschaftlichen Engagements. Inzwischen seien mehr als 90 Prozent der Denkmale in privater Hand, auch in der der Kirchen“, so Wolfgang Illert, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Europaweit wird der Denkmaltag gefeiert – inzwischen in 50 Staaten.

Programm am Schiffshebewerk

  • LWL-Museum Schiffshebewerk, Am Hebewerk 26 in Waltrop. Kontakt: Tel. (02363) 97070.
  • Am Tag des offenen Denkmals kommt noch ein weiteres historisches Schiff zu Besuch: die 1909 gebaute Péniche "Willi" aus Basel. Der Dampfer "Nixe" schippert die Gäste zwischen 10 und 17 Uhr kostenlos über den Kanal.
  • Schleusenparkführungen gibt es jeweils um 11, 14 und 16 Uhr.
  • Programm gibt es am Sonntag (11.9.) von 10-18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

 

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