Stalagmiten der Kunst in Wuppertal

Von der Heydt-Museum

Tony Cragg ist ein Weltstar der Bildhauerei. Auch deshalb findet das Von der Heydt-Museum in Wuppertal es mehr als angemessen, dem Briten eine Ausstellung zu widmen und dafür das gesamte Museum zu räumen.

14.04.2016, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Stalagmiten der Kunst in Wuppertal

Immer für einen Spaß zu haben: Tony Cragg neben seinem Kunstwerk „New Figuration“ aus dem Jahr 1985.

Letztlich ist das aber nicht nur eine Geste, ein Zeichen der Wertschätzung, sondern auch einfach notwendig. Denn die 120 Skulpturen und mindestens ebenso viele Zeichnungen Craggs brauchen viel Platz.

Vom Kleinen zum Großen

"Mehr als eine Woche lang stand hier jeden Tag ein Kran vor dem Haus, um die Skulpturen ins erste und zweite Geschoss zu hieven", sagt Museumsdirektor Gerhard Finckh. Er ist dankbar für die Hilfe des Künstlers. "Schließlich ist Tony Cragg es gewohnt, mit so großen und schweren Skulpturen zu hantieren."

Dabei fängt die Arbeit des Künstlers oft im Kleinen an. Im Kopf entstehen Ideen von Formen, inspiriert von der Natur. Dann folgen Zeichnungen, später Schablonen.

Ein Blick zurück

Die Ausstellung "Parts of the World" ist Craggs erste Retrospektive. "Wir zeigen hier, wie sich meine künstlerische Arbeit entwickelt hat. Von den ersten Arbeiten in den 70-er Jahren zu meinen ganz aktuellen Werken", sagt der 67-Jährige.

Beim Rundgang durch die Ausstellung merkt man, wie vielseitig der Wahl-Wuppertaler ist. Zu Beginn seines Schaffens hat er gezeichnet, fotografiert, erste Skulpturen aus gefundenen Alltagsgegenständen gefertigt. Cragg machte aus Müll Kunst - aber nicht schmutzig, sondern bunt, teilweise fröhlich.

"Organisch und geometrisch"

Später hat er das Material - Holz, Glasfaser, Gips, Plastik, Glas - nach seinen Vorstellungen geformt, immer von der Form und der Geometrie bestimmt. "Die Skulpturen sind gleichzeitig organisch und geometrisch", beschreibt Cragg. Viele Skulpturen sehen aus, als wären sie nicht fest, sondern zähflüssig. Wie Stalagmiten ragen sie in die Höhe. Im Von der Heydt-Museum nehmen die Skulpturen viel Raum ein, ohne den Besucher zu erdrücken.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Tony Cragg

Bei einem Rundgang durch seine Ausstellung "Parts of the World" zeigt Tony Cragg einige seiner Skulpturen, Zeichnungen und Fotos.
14.04.2016
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Eine frühe Fotografie von Tony Cragg.© Bettina Ansorge
Der Künstler in mitten seiner Werke© Bettina Ansorge
Skulpturen aus geschichtetem Holz.© Bettina Ansorge
Skulpturen aus geschichtetem Holz.© Bettina Ansorge
Tony Cragg erklärt seine Skulptur "Versus" aus dem Jahr 2012.© Bettina Ansorge
Die Stalagmiten reichen fast bis zur Decke.© Bettina Ansorge
Die Skulptur "Willow" aus dem Jahr 2015.© Bettina Ansorge
"Mental Landscape"© Bettina Ansorge
Eine Haufe-Skulptur aus lauter Glasflaschen. Ein fragiles Kunstwerk.© Bettina Ansorge
Skulpturen aus Murano-Glas. Cragg lässt sie von einem Meister in Venedig anfertigen.© Bettina Ansorge
Tony Cragg steht neben seiner "Menschenmenge". Den Briten hat das deutsche Wort "Menschenmenge" zu dem Kunstwerk aus gefundenem Plastik-Müll inspiriert.© Bettina Ansorge

Dass Cragg an seinen Werken hängt, merkt man daran, dass er selbst immer wieder um sie herumtänzelt, sie anfasst, streichelt, den ersten Staub wegpustet. Voller Leidenschaft erklärt er seine Arbeiten, zum Beispiel die Skulptur "Versus" aus dem Jahr 2012. Die rote Bronze-Skulptur hat so viel Struktur, dass ihre Form fast unmöglich zu beschreiben ist. Die Details muss man sehen, weshalb ein Besuch der Ausstellung absolut empfehlenswert ist. Schade, dass Tony Cragg nicht immer mit durchs Museum läuft.

Von der Heydt-Museum Wuppertal: "Tony Cragg - Retrospektive. Parts of the World", Turmhof 8, 19.4.2016-14.8.2016, Di-So 11-18 Uhr. Christi Himmelfahrt (5.5.) 11-18 Uhr, Pfingstsonntag (15.5.) 11-18 Uhr, Pfingstmontag geschlossen, Eintritt 12 Euro, Familien 24 Euro, Katalog 38 Euro.

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