Star-Bariton Skovhus machte Lieder zu Mini-Dramen

Philharmonisches Konzert Dortmund

Seit Jahren begeistert er ein internationales Publikum, etwa als Wagners Beckmesser und Amfortas oder als Liedsänger mit der "Winterreise" von Schubert. Im Konzerthaus Dortmund verband der dänische Star-Bariton Bo Skovhus im zweiten Philharmonischen Konzert der Dortmunder Philharmoniker beide Qualitäten miteinander.

Dortmund

, 19.10.2016, 13:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der dänische Star-Bariton Bo Skovhus war erstmals in Dortmund zu Gast.

Der dänische Star-Bariton Bo Skovhus war erstmals in Dortmund zu Gast.

Möglich gemacht hat das Generalmusikdirektor Gabriel Feltz, der im vergangenen Jahr an der Oper Köln bereits erfolgreich mit Skovhus zusammen gearbeitet hatte. In Dortmund ging es jetzt um Schubert-Lieder in Orchesterfassungen unterschiedlicher Komponisten.

Wagners "Holländer"-Ouvertüre gab dabei die Stimmung für den unter dem Thema "Wasser-Spiele" stehenden Abend vor: Feltz gestaltete das Opernvorspiel als dramatisches Seestück, in dem die Wellen nach stürmischem Beginn immer wieder hoch schlugen, ruhige Passagen aber so gespannt musiziert wurden, dass nie ein Gefühl von Flaute aufkam.

Sturm und niemals Flaute

Schuberts 25-minütige Vertonung von Schillers Ballade "Der Taucher" in der farbigen Neuinstrumentierung durch Karl Aage Rasmussen wirkte danach fast wie ein großer Holländer-Monolog. Skovhus, vollkommen in sich ruhend, erwies sich als eindringlicher Gestalter, kernig im Ton und doch stets voller Wohlklang. Das stürmisch aufbrausende Orchester ließ allerdings einige seiner deutlich artikulierten Worte untergehen.

Da bedauerte mancher im Publikum, dass die Liedtexte nicht im Programmheft abgedruckt waren. Auch in "Prometheus" (Orchestrierung: Nielsen) und "An Schwager Kronos" (Brahms) klang Schubert eher wie ein Musikdramatiker à la Wagner.

Als wohltuend anders erwies sich da das zarte Liebeslied "Geheimes", das Skovhus lyrisch-empfindsam vortrug. Und der "Erlkönig" jagte einem Schauer über den Rücken.

Effekte statt Seele

Dvoráks siebte Sinfonie, letzte Woche schon beim Mailand-Gastspiel der Dortmunder Philharmoniker im Gepäck, bot Feltz mit Schmiss, doch ohne unter die Haut zu gehen. Da wurde mehr mit Power als mit Leidenschaft, eher effektvoll als mit slawischer Seele musiziert. Aber das Orchester konnte glänzen.

Bo Skovhus ist ab dem 3. Dezember 2016 wieder in der Region zu erleben: Am Opernhaus Düsseldorf singt er den Graf von Luxemburg in der gleichnamigen Lehár-Operette, inszeniert vom Dortmunder Opernintendanten Jens-Daniel Herzog.

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