Starfotograf Horst P. Horst zeigt Göttinnen der Mode

NRW-Forum in Düsseldorf

In der Modefotografie zählte Horst P. Horst zu den herausragenden Stars des zwanzigsten Jahrhunderts. Eine Retrospektive des Londoner Victoria and Albert Museums im NRW-Forum als einziger deutscher Station zeigt den 1999 mit 93 in Florida verstorbenen Deutsch-Amerikaner freilich noch von einer ganz anderen, weithin unbekannten Seite.

DÜSSELDORF

, 21.03.2016, 16:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Starfotograf Horst P. Horst zeigt Göttinnen der Mode

1939 setzte Horst P. Horst ein Kleid der Modemacherin Hattie Carnegie elegant und stimmungsvoll in Szene.

Der berühmte Irving Penn hat ihn 1946 lässig angelehnt neben einer seiner untypischen botanischen Großaufnahmen in nachdenklicher Pose porträtiert. Die Aufnahme wirkt, als hätte Horst P. Horst selbst Regie geführt. Schon seine frühesten Lichtbilder aus den Dreißigern weisen ihn als Meister der perfekten Inszenierung aus. Wie Göttinnen hat er seine Modelle in Szene gesetzt.

Die blonde Schönheit einer seiner berühmtesten Aufnahmen, mit der er 1939 für ein Korsett warb, wirkt im Schattenspiel des Raumes mit Blick auf die Rückenpartie zart wie eine schaumgeborene Venus. Das Original zeigt die für diesen Lichtbildner typische sinnliche Note. Da sitzt das Korsett betont locker. Für das amerikanische Vogue-Titelblatt wurde die Aufnahme stark retuschiert. Die Magie des Schattenspiels wich härteren Tönen. Und das Korsett ist nun eng an den Körper geschnürt.

Gespür für weibliche Erotik

Sein Gespür für weibliche Erotik sublimierte der eher Männern zugetane Starfotograf durch sinnliche Eleganz. Vor allem an den frühen der zunächst erstaunlich kleinformatigen 250 Aufnahmen aus sechs Jahrzehnten kann man sich nicht satt sehen. Lisa Foussagrives, eines seiner Lieblingsmodelle, posierte für ihn Ende der Dreißiger nackt - mal in ätherischer Schönheit in einer Doppelbelichtung hinter einer Harfe, mal als Odaliske. Nicht nur hier wird deutlich, wie nachdrücklich Skulpturen der Antike und die Hell-Dunkel-Dramatik des italienischen Barockmalers Caravaggio den Blick dieses Fotografen auf weibliche Schönheit prägten.

Seinen Durchbruch erlebte er 1932, als er für die erste englische Vogue-Ausgabe die Tochter eines adeligen Kunstmäzens in Szene setzte. Das öffnete ihm die Türen zur mondänen Welt.

Der Geschmack der High Society

Kaum ein Fotograf verstand es so perfekt wie Horst P. Horst, Mode, Lichtbild, bildende Kunst, Design, Film- und Theaterszene und den Geschmack der High Society miteinander zu verbinden.

Eine Entdeckung sind seine skurrilen surrealistischen Stillleben. Auch eines der bekanntesten, die 1941 entstandene Nagellack-Studie "Hände, Hände, Hände" ist hier zu sehen. Als sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Bild der Mode wandelte, brach und Horst P. Horst mit all dem Glamour. Die neue Vorliebe fürs Natürliche hat er allerdings auch wieder inszeniert. In seinen eigens für diese Ausstellung neu abgezogenen großformatigen Farbaufnahmen schwelgt er in Farben.

NRW-Forum Düsseldorf: "Horst - Photographer of Style", Ehrenhof 2, bis 22. Mai 2016, Mo-So 11-18 Uhr, Fr/Sa und an Feiertagen bis 20 Uhr.