Starke Frauen, strauchelnde Männer

Berlinale

Sie waten ungerührt durch Blut, kämpfen für ihre Kinder und bieten den Vorurteilen der Bornierten die Stirn. Die Frauen in den Filmen des ersten Berlinale-Wochenendes bekommen vom Leben nichts geschenkt. Und verlangen auch nur, was ihnen zusteht. Stark, jede auf ihre Art!

BERLIN

von Von Patrick Wildermann

, 12.02.2017, 14:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Starke Frauen, strauchelnde Männer

Kabarettist Josef Hader spielt in seinem Regiedebüt „Wilde Maus“ auch die Hauptrolle des strauchelnden Kritikers.

Die seltsame Heldin im ungarischen Beitrag "On Body and Soul" von Ildikó Enyedi heißt Maria und kommt als strenge neue Fleischprüferin in einen Schlachthof. Alexandra Borbély spielt diese blonde Einzelgängerin, die sich nachts in eine Waldlandschaft mit Rotwild träumt, mit irritierender und faszinierender Kühle.

 "Félicité" und "A Fantastic Woman"

Im afrikanischen Beitrag "Félicité" von Alain Gomis dagegen betört die Titelheldin als Sängerin die Menschen in einer kleinen Bar in Kinshasa - dabei steht sie unter dem Druck, für ihren verunglückten Sohn die dringende OP bezahlen zu müssen. Eine großartige Rolle für die kongolesische Theaterschauspielerin Véro Tshanda Beya.

Und im chilenischen Drama "A Fantastic Woman" von Sebastián Lelio schließlich muss Marina, die früher mal Daniel hieß, nach dem Tod ihres Geliebten der geballten Verachtung von dessen Familie trotzen. Ein toller Empowerment-Part für Daniela Vega. Drei Kandidatinnen für den Goldenen Bären!

"Wilde Maus"

Allerdings, auch das hat das erste Festival-Wochenende gezeigt, haben es Männer ebenfalls nicht leicht. Georg, ein grantiger Musikkritiker Mitte 50, wird unversehens von seinem deutschen Chefredakteur vor die Tür gesetzt. Sein hilfloser Einwand "Ich bin eine Instanz!" nutzt ihm da auch nichts.

Seiner Frau, einer Psychologin, wagt der Mann die berufliche Schmach nicht zu beichten. Stattdessen verbummelt er seine Tage im Prater und heckt einen Rachefeldzug gegen seinen Ex-Chef aus.

Geglückt

"Wilde Maus" heißt das geglückte Regiedebüt des Kabarettisten Josef Hader, der auch die Hauptrolle des strauchelnden Kritikers übernommen hat. Die Printjournalisten, so Hader gut gelaunt auf der Pressekonferenz in Berlin, seien ja heute in einer ähnlichen Situation wie "die Grubenarbeiter im England der 80er-Jahre".

Freilich aber geht es hier nicht ums Zeitungsgewerbe. Sondern um einen Wutbürger auf Abwegen, der - im Gegensatz zu den beschriebenen Frauen - keine echten Probleme hat. Nur Egomigräne.

 

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