Stehende Ovationen für „Leas Hochzeit“

Schauspielhaus Bochum

Es wird Hochzeit gefeiert, die Gäste wollen fröhlich sein: Zwei Menschen versprechen sich Liebe und Treue bis ans Ende ihres Lebens. Doch was, wenn sie gar nicht wissen, ob das überhaupt richtig ist, dass sie am Leben sind - und wo ihr Platz darin ist? Davon erzählt "Leas Hochzeit" am Schauspielhaus Bochum. Am Ende gab es zu Recht sehr großen Applaus.

BOCHUM

, 17.05.2015, 14:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Hochzeitsfeier nach dem Holocaust: Lea (Therese Dörr) und Daniel (Torsten Flassig)

Hochzeitsfeier nach dem Holocaust: Lea (Therese Dörr) und Daniel (Torsten Flassig)

Eric de Vroedt hat in den Kammerspielen zum zweiten Mal einen niederländischen Klassiker inszeniert. Mit "Leas Hochzeit" hat Judith Herzberg, die den Holocaust wie ihre Protagonistin versteckt überlebte, 1982 die Diskussion über die Nazi-Zeit in den Niederlanden neu entfacht.

Der Zuschauer blickt ins Foyer eines Hochzeitssaals aus den 1970er-Jahren. Die eigentliche Feier findet nebenan statt.

Soundkulisse

Florentijn Boddendijk und Remco de Jong haben für den realistischen Eindruck eine gelungene zweistündige Musik- und Soundkulisse aus ferner Festmusik zwischen George Gershwin, Miles Davis, Hippie-Rock, Applaus und Gemurmel komponiert. Auf eine Leinwand projizierte Videos in Super-8-Optik von Lena Newton und Daan Hazendonk gestatten kurze Einblicke in den Saal.

Durch die Randperspektive kann Eric de Vroedt einen gezielten Fokus auf die rund 80 Szenen legen, in denen sich die Gäste in unterschiedlichen Konstellationen begegnen. Wie hier Schicksale der Überlebenden, Versteckten, der Helfer, vermeintlich nicht Betroffenen und Nachgeborenen aufeinandertreffen, mal offen verhandelt und mal subtil unter dem Gesagten liegend, wird von einem durchweg hervorragenden Ensemble getragen.

Stellvertreter für alle Wünsche

"Sie wissen nicht, wie sie leben sollen und überdecken das mit Lachs", sagt der junge Torsten Flassig als Daniel, die am schwersten fassbare Figur in diesem Reigen: Er ist eine Art Stellvertreter für all die Wünsche, Hoffnungen und Versprechen der Vergangenheit, die durch das Grauen des Krieges gekappt wurden.

Neben ihm brillieren Therese Dörr als Lea, die zwischen allen Stühlen steht und keinen eigenen Platz findet, Anke Zillich und Martin Horn als ihre Eltern, die längst unter ihrem Schicksal zusammengebrochen sind und trotzdem irgendwie weitermachen.

Autorin kam zur Premiere

Am Ende gab es zu Recht sehr großen Applaus und stehende Ovationen für die 80-jährige Autorin, die nach Bochum gekommen war.

Termine: 22.5., 7./19./ 26. 6.; Karten: Tel. (0234)33 335555.

 

 

Lesen Sie jetzt