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Sterben und Tod im Unterricht

Palliativnetz

Mit 16 Jahren macht man sich in der Regel noch keine Gedanken über den Tod. Die Zehntklässler der Graf-Engelbert-Schule aber haben am Freitag ihr Bewusstsein dafür geschärft: Über ihre Gedanken zum Thema Sterben konnten die Schüler im Religionsunterricht sprechen. Christiane Breddemann und Birgitta Behringer vom Palliativnetz Bochum waren zu Gast im Gymnasium, um die Zehntklässler an das schwierige Thema heranzuführen.

BOCHUM

von Von Katrin Ewert

, 26.05.2013
Sterben und Tod im Unterricht

Birgitta Behringer (r.) und Christiane Breddemann wollen die Schüler an das Thema Sterben und Tod heranführen.

„Mein Großvater ist im Hospiz an Krebs gestorben“, erzählt Arnim Grothe. „Richtig Angst hatte ich zwar nicht“, sagt der 16-Jährige, „aber ich hatte immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich das Hospiz betreten habe, weil ich wusste, dass mein Opa diesen Ort wohl niemals wieder verlassen würde.“ Wie Arnim haben einige Schüler bereits einen Verwandten verloren. Nachdem sich die Jugendlichen über ihre Erfahrungen ausgetauscht haben, sprechen sie über ihre Ängste: Die meisten von ihnen haben Angst vor den Schmerzen und vor dem Gedanken, alleine zu sterben. Die 16-jährige Hannah Piotrowiak hat vor allem eine Sorge: „Wenn ein Angehöriger stirbt – wo soll ich dann hin mit meiner Trauer?“

Die beiden Mitarbeiterinnen des Palliativnetzes wollen das Bewusstsein für das Thema schärfen: „Der Tod betrifft nicht nur alte Leute“, sagt die Palliativärztin Birgitta Behringer, „er ist allgegenwärtig und kann auch euch treffen.“ Trotzdem versuchen sie, den Jugendlichen die Angst zu nehmen. „Die Schüler lernen im Moment viel über das Thema“, erklärt Religionslehrerin Cornelia Joswig, „in den vergangenen Wochen haben wir in der Unterrichtsreihe Ethik über das Thema Sterbehilfe geredet.“ Bei den Diskussionen im Unterricht gingen die Meinungen weit auseinander. Auch bei der Frage nach dem Ort des Sterbens treffen die verschiedensten Meinungen aufeinander: Einige würden am liebsten zu Hause sterben – im Kreis der Familie. Andere wollen den Angehörigen nicht zur Last fallen. Nach reiflicher Überlegung sagt der 16-jährige Torben Lueg: „Ich würde den Strand an der Nordsee wählen.“

An den Antworten der Zehntklässler erklären die beiden Mitarbeiterinnen, wie wichtig eine Patientenverfügung ist. Außerdem erklären Christiane Breddemann und Birgitta Behringer, wie das Palliativnetz arbeitet und wie sie die Sterbenden und Angehörigen betreuen. „Bei uns arbeiten Ärzte, Pfleger, Seelsorger und Hospizdienste zusammen“, sagt Christiane Breddemann, „die Bedürfnisse der Patienten stehen dabei im Mittelpunkt.“ Das Palliativnetz Bochum bietet allen Bochumer Gymnasien an, den Religionsunterricht zu besuchen. Die Graf-Engelbert-Schule ist die erste, die das Angebot ausprobiert. „Ich habe heute viel dazugelernt“, sagt Hannah Piotrowiak am Ende der Religionsstunde, „ich denke ich kann nun besser mit dem Thema umgehen.“