Sternstunde mit Nézet-Séguin und Wagners "Holländer"

Konzerthaus Dortmund

Eigentlich sehnt man sich gerade in Wagners Oper "Der fliegende Holländer" nach Bildern von rauer See und dem Geisterschiff, auf dem der Holländer als Gespenst über die Weltmeere irrt. Viele moderne Inszenierungen bieten die jedoch ohnehin nicht mehr; man denke an die der Bayreuther Festspiele 2012.

DORTMUND

von Von Julia Gaß

, 22.09.2013, 11:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Egis Silins als »Fliegender Holländer« mit Emma Vetter als Selma im Konzerthaus Dortmund.

Egis Silins als »Fliegender Holländer« mit Emma Vetter als Selma im Konzerthaus Dortmund.

In der konzertanten Aufführung am Freitagabend im Konzerthaus Dortmund vermisste man diese Bilder keine Sekunde: Yannick Nézet-Séguin präsentierte mit seinem Rotterdam Philharmonic Orchestra einen Höhenflug des Holländers, Oper wie im Rausch, ein Bad im Klangsturm.

erne hätte man Evgeny Nikitin in der Titelrolle gehört; der hatte am Aufführungstag wegen einer Erkältung abgesagt; er sänge auch lieber szenische Aufführungen, hatte er vorher unserer Zeitung im Interview gesagt.Sein Ersatz war vortrefflich: Der Lette Egis Silins, der Wotan in der "Walküre" an der Aalto-Oper Essen, sang einen selbstbewussten, unerbittlichen, starken Holländer, das Gespensterhafte stellte er etwas zurück.

Die Schwedin Emma Vetter war eine jugendliche Senta mit einem starken, aber schlank geführten Sopran. Überragend: Franz-Josef Selig als Darland, der in dieser Partie schon 2012 in Bayreuth der beste Darsteller war.

Die dunkle und beschwörend-warnende Mary war Agnes Zwierko, Frank van Aken ein heldentenor-strahlender Erik. Torsten Hofmann war ein zu lyrischer und etwas indisponierter Steuermann.

Weltklasse-Orchester

Der Star der Aufführung war ohnehin das Orchester (und auch der gewaltige Chor der Nederlands Oper). Ein aufwühlendes, an Knalleffekten reiches Klangdrama, das aber auch viel psychologische Tiefenschärfe hatte. ick und laut ließ der Kanadier das Orchester brausen, aber auch zart den Südwind durch die Bläser wehen. Was die Rotterdamer da leisteten, war Weltklasse.Minutenlange OvationenUnd zum Schluss gelang es Nézet-Séguin wirklich, eine Gänsehaut-Schauermärchen-Stimmung zu schaffen. Minutenlange Ovationen im Stehen für eine Sternstunde des energiegeladenen, temperamentvollen Exklusivkünstlers, von dem wir in den nächsten drei Jahren viel erwarten können.

 

Lesen Sie jetzt