Sternwarte nimmt verlorene ISS-Werkzeugtasche ins Visier

BOCHUM Herrenlos treibt die Werkzeugtasche durchs All, die eine Astronautin der Raumstation ISS jüngst verloren hat. Ob und wann sie von den Teleskopen der Bochumer Sternwarte gesehen werden kann, verrät Thilo Elsner.

von Von Christoph Walter

, 26.11.2008 / Lesedauer: 3 min
Sternwarte nimmt verlorene ISS-Werkzeugtasche ins Visier

Diese Werkzeugtasche (unten rechts im Bild) sollte aus NASA-Sicht gewiss nie zum Flugobjekt werden. Jetzt treibt das 100 000-Dollar-Täschchen durch den Weltraum - von der Sternwarte aus gut sichtbar.

Die Koordinaten der rucksackgroßen Tasche haben die heimischen Himmelskundler bereits exakt berechnet. So rast das Flugobjekt, das aus NASA-Sicht gewiss nie ein solches sein sollte, etwa am Sonntag zwischen 18.38 bis 18.41 Uhr über die Ruhrstadt hinweg. In knapp 500 Kilometern Höhe, mit 28 000 Sachen pro Stunde. „Für uns kein Problem, in den drei Minuten mit verschieden Teleskopen Live-Bilder von der Werkzeugtasche auf einen Monitor zu holen“, verspricht Elsner. Die ISS werde man auch sehr gut sehen können. Vorausgesetzt natürlich, der Himmel ist klar.

Weil die Tasche weiß sei, leuchte sie wie ein Stern, erklärt Elsner. Mal mehr, mal weniger intensiv. Denn: „Sie trudelt ein wenig – ihre Helligkeit hängt also davon ab, ob sie uns die volle Breitseite oder nur ihre schmale Schulter zeigt.“ Das enorme Interesse der Öffentlichkeit an der entglittenen Astronauten-Tasche kann Elsner allerdings nicht so recht nachvollziehen: „Vor Jahren haben Forscher mal alte Raumfahrer-Anzüge mitsamt Funkgeräten aus einer Station ins All geworfen. Absichtlich. Um zu testen, ob sie als Satelliten taugen. Da hat kein Hahn nach gekräht, obwohl das doch viel spannender war.“

Live-Bilder von der verlorenen Raumfahrer-Tasche über Bochum wollen Thilo Elsner und Kollegen in der Sternwarte in Bochum-Sundern, Blankensteiner Straße 200, am Sonntag (30. November) präsentieren. Die kostenlose Veranstaltung beginnt um 18 Uhr mit einem Einführungsvortrag. Falls Nebel aufkommt, gibt’s als Trostpflaster den Film von der Tasche, den ein Kanadier aufgenommen hat.