Steve Jobs - Visionär, Egomane, Kaltblüter

Neuer Film von Danny Boyle

Seine Auftritte in schwarzem Rolli, Jeans und Turnschuhen waren Kult, der Mann eine Legende. Wenn der Chefdenker von Apple zur großen Steve Jobs-Show lud, waren die Säle proppenvoll, die Erwartungen hoch: Welches sensationelle Produkt würde der Visionär heute präsentieren? Das sind die Schlüsselszenen des neuen Films "Steve Jobs".

12.11.2015, 19:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Steve Jobs - Visionär, Egomane, Kaltblüter

Visionäre unter sich - nicht ohne Probleme: Steve Jobs (Michael Fassbender, l.) und Steve Wozniak (Seth Rogen).

Nach dem Drehbuch von Aaron Sorkin (der schon "The Social Network" über Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieb) hat Regisseur Danny Boyle ein Porträt gedreht, das versucht, hinter allem Genie-Gerede dem Menschen auf die Schliche zu kommen. Verkörpert wird Jobs von Michael Fassbender, der ihm nicht sehr ähnelt, aber für die Rolle des einsamen Schnelldenkers eine gute Wahl ist.

"Steve Jobs" ist nicht brav bieder linear erzählt. Der Ablauf folgt einer Chronologie, doch dazwischen liegen große Sprünge. Die Handlung macht sich an drei von Jobs' Präsentationen fest. 1984 stellt er den "Mac" vor, samt Werbeclip von Ridley Scott. Von Apple geschasst, feiert Jobs den schwarzen Würfel seiner Firma NEXT. Im dritten Auftritt ruft der Apple-Retter mit dem iMac schon wieder die Revolution aus.

Fiebriger Rhythmus

Danny Boyle zeigt nicht die Präsentation selbst. Die Kamera tummelt sich hinter den Kulissen, wo Jobs hyperaktiv ist. Der Rhythmus des Films reicht ins Fiebrige, er zehrt vom Rattern eines rastlosen Hirns, das noch Minuten vor der Show ein Feuerwerk des "Multitasking" abbrennt.

Das ist das Tempo eines Steve Jobs: Eben die Programmierer rund gelutscht, flugs ein weißes Hemd organisiert, die Ex-Freundin abgekanzelt, barsch mit der Tochter gesprochen, die Managerin (Kate Winslet) instruiert, die Lichtprobe abgenommen, mit Freunden wie Steve Wozniak gestritten, den Pressefritzen gefüttert - und im Vorbeigehen zwei Blitz-Ideen für künftige Produkte gehabt. Die Dialoge sind messerscharf und blitzgescheit, Jobs steckt im permanenten Kleinkrieg. Ihr seid doof, ich weiß es besser! Als Analytiker und Stratege ist der Mann genial.

Prima Unterhaltung auf hohem Niveau

Menschlich ist er ein egomanischer Kaltblüter, ein Halbgott von eigenen Gnaden, dem Winslets Managerin Anstand eintrichtern muss. Glauben wir das mal. Dass Jobs so wurde, weil er ein Adoptivkind ist, bleibt Schmalspur-Psychologie. Sonst aber clever geschrieben, toll gespielt, prima Unterhaltung auf hohem Niveau.