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Stiftung will Anneliese Brosts Namen in Bochum verankern

Musikzentrum

Die verstorbene Anneliese Brost war Bochumerin. Ihr Name soll in dieser Stadt unvergessen bleiben. Darum soll das die künftige Spielstätte der Bochumer Symphoniker nach ihr benannt werden. Die Vorbereitungen dafür werden zum Teil in einem geschichtsträchtigen Haus getroffen: ihrem ehemaligen Wohnhaus in Essen.

BOCHUM

, 09.01.2014

Schmidt und Genscher haben hier unbemerkt von der Öffentlichkeit Koalitionsverhandlungen geführt, wie es Jahre zuvor schon Brandt und Scheel getan haben. Heute wird in dem Haus von Erich und Anneliese Brost in Essen andere Geschichte geschrieben. Die noch junge Brost-Stiftung hat hier seit einigen Monaten ihr Domizil. Im Inneren dürfen wegen des zeitgeschichtlichen Werts noch nicht einmal die Bücher im Regal verändert werden. Inhaltlich aber wird intensiv die Förderpolitik entwickelt. Für das erste große Projekt schaut die Stiftung nach Bochum, in die Heimatstadt der Stifterin Anneliese Brost.

Geht es nach den Plänen der Brost-Stiftung, wird die künftige Spielstätte der Bochumer Symphoniker den Namen Anneliese-Brost-Musikzentrum tragen. Ob als Zusatz Ruhr oder Bochum – darüber wird noch gesprochen. Drei Millionen Euro ist die Stiftung bereit für die Namensgebung zu zahlen. „Wir wissen, dass wir eine Lücke schließen“, sagt Thomas Hüser, Sprecher der Stiftung und ergänzt: „Wir wollen keine Baustelle fördern, sondern einen fertigen Bau benennen.“ Zur Zeit wird der Vertrag in Kooperation mit den Bochumer Symphonikern und der Stiftung Bochumer Symphonie vorbereitet. Die letzte Entscheidung wird der Rat der Stadt Bochum treffen. Vielleicht schon im Februar. „Wir haben positive Signale erhalten“, sagt Hüser. Alles andere als eine positive Entscheidung würde ihn überraschen.

„Für die erste Leuchtturm-Förderung gibt es keinen besseren Ort als Bochum. Es ist ideal, sich in Anneliese Brosts Heimatstadt zu engagieren“, erläutert der Stiftungssprecher. 1920 wurde sie hier als Anneliese Brinkmann geboren, wuchs in ihrem Elternhaus am Hellweg auf. Nichts wies damals darauf hin, dass sie mit ihrem Ehemann eine Zeitung gründen, Verlegerin werden und nach ihrem Tod eine Stiftung nach ihren Vorstellungen und mit einem Vermögen von 300 Millionen Euro ausstatten würde. Ihr Vater war Pferdehändler, ihre Mutter als Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin der politische Kopf der Familie. Doch der Vater stirbt früh. Als Hitler die Macht übernimmt, wird die Lage schwierig. Anneliese Brost erlebt mit, wie die Bibliothek ihrer Eltern auf einem großen Scheiterhaufen auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz verbrennt. Ein Studium verwehren ihr die Nationalsozialisten.

Nach dem Krieg beginnt Anneliese Brost als Sekretärin bei der Westfälischen Rundschau in Dortmund und Bochum. 1948 wird sie die erste Angestellte der WAZ unter ihrem späteren Ehemann Erich Brost. Die ersten Ausgaben entstehen in Bochum. Sie habe immer noch von diesen Anfängen geschwärmt, berichtet Thomas Hüser. Die Voraussetzungen waren eher dürftig. Mehrere Redakteure mussten sich die einzige Schreibmaschine teilen, die den Krieg überstanden hatte. Aus nur vier Seiten bestand jede Ausgabe. Anneliese Brost erinnerte sich später: „Am Rathausplatz in Bochum riss man uns die Zeitung aus der Hand. Es war wunderbar. Ein unglaubliches Gefühl war das damals!“ Wenige 100 Meter weiter könnte nun das Musikzentrum dauerhaft an die bemerkenswerte Frau erinnern. Dieses Haus für die Musik passt gut zu den Stiftungszielen. Dazu gehören die Unterstützung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen und die Förderung der kulturellen und künstlerischen Bildung. „Es ist kein Prestigeobjekt, sondern hat einen hohen Nutzwert“, so Thomas Hüser. Bei der einmaligen Millionen-Spende für das Musikzentrum soll es deshalb auch nicht bleiben: „Wir haben die starke Absicht, uns auch programmatisch zu engagieren.“    

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