"Still Alice" ist ein berührender Film über Alzheimer

Neu im Kino

Eine Binsenweisheit: Spiele einen Kranken und du gewinnst den Oscar. Scherz beiseite – die Rechnung geht natürlich nur auf, wenn die Leistung stimmt. Insofern hat Julianne Moore ihren Oscar redlich verdient. Ihr Film "Still Alice" kommt am Donnerstag in die Kinos.

03.03.2015 / Lesedauer: 2 min
"Still Alice" ist ein berührender Film über Alzheimer

Julianne Moore spielt die an Alzheimer erkrankte Professorin Alice Howland.

Bekommen hat Julianne Moore den Oscar für die nuancierte Darstellung einer Linguistik-Professorin in „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“. Nach dem Roman von Lisa Genova erzählt der Film, wie mehrere Leben durch Alzheimer aus dem Tritt geraten. Das der erkrankten Alice und das ihrer Familie.

Alice (Moore) und ihr Mann (Alec Baldwin) haben drei erwachsene Kinder, die fürchten, dass sie die Krankheit geerbt haben. Davon abgesehen muss der Alltag neu organisiert werden. Wer passt auf, wer steht Alice zur Seite, wenn die mentalen Aussetzer das Kommando übernehmen?  

Schleichende Zerstörung  

Ohne in Rührseligkeit oder Trauerpathos zu kippen, stellt das Melodram von Richard Glatzer und Wash Westmoreland klar, dass ein Leben mit Alzheimer alles andere als die banale Posse ist, die uns Til Schweiger mit „Honig im Kopf“ auftischte.

Hier pinkelt niemand in den Kühlschrank, keiner fackelt im Backofen Schuhe ab. Schleichend zerstört die Krankheit den Charakter einer Hochintelligenzlerin.  

Drama im Kopf  

Das Drama passiert im doppelten Sinne in Alices Kopf: Ein Mensch merkt, dass ihm die Kontrolle entgleitet, alle Sicherheit und Gewissheit ihn verlässt. Er tritt eine Reise ins Vergessen an, egal, wie er kämpft. Angst und Scham machen sich breit, schöne Momente sind rar und sind nur geborgt. Julianne Moore spielt dieses Verdämmern ganz wunderbar. Man vergleiche ihre souveräne Alice vom Beginn mit der stillen, verhuschten, schon fast jenseitigen Person am Ende. Dieser Blick aus verhangenen Augen in einem Gesicht, das zu zerfließen scheint.

Subplots blättern auch andere Farben als Schwarz auf: Mit Ausbruch der Krankheit rückt Alice näher zu ihrer jüngsten Tochter (gut: Kristen Stewart). Sie hatten Knatsch, nun finden sie zu einer Zärtlichkeit, die ans Herz geht. Menschen, die dich mögen, kann dir Alzheimer nicht nehmen. Ein kleiner Trost in einem großen Film.