Stimmungen voll Lebenslust

WITTEN Mit einem herausragenden Programm meldete sich die heimische Rhein-Ruhr Philharmonie bei ihrem Konzert in der WerkStadt auf der Bühne zurück.

von Von Martin Schreckenschläger

, 05.11.2007 / Lesedauer: 2 min

Unter der Leitung des Karajan-Stipendiaten und Folkwang-Dozenten Oliver Leo Schmidt stellten die annähernd 70 Musiker ein Werk des 2003 verstorbenen Wittener Komponisten und Universitätsmusikdirektors der Bochumer Ruhr-Universität, Henning Frederichs, vor. Mit „Stimmen der Nacht" hatte dieser Wahlverwandtschaften zu Schubert und Goethe gesucht, sich von „Wanderers Nachtlied" inspirieren lassen.

Stark besetztes Schlagwerk und experimentelle Spieltechniken prägten das Werk. Zahllose Klangfarben kontrastierten mit klassischen Klavier-Einwürfen, reduzierte Perfektion diente der Imitation humanen Stimmausdrucks. Gewaltige Klanggebäude türmten sich auf, Streicher schwebten über Liegetönen.

Schubert in beeindruckender Größe

Souverän und mit präzisem Gestus lenkte Schmidt das ausdrucksvolle Adagio molto aus Schuberts Tragischer Symphonie zum bravourösen Satzende. Über den kontrastierenden Streichergruppen im sanglich klagenden Andante glänzte das Quartett der Holzbläser-Stimmführer. Druckvoll bewegt erging der dritte Satz sich in Tristesse.

Das Allegro weckte mit dem tremolierenden Einstand schon große Erwartungen, deren Erfüllung Schmidt dem Klangkörper ungeduldig abforderte. Nicht erst im fulminanten Schluss zeigte sich ein Schubert in beeindruckender Größe, blieb nicht hinter den Werken eines Beethoven oder Schumann zurück.

Denn auch beim 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninoff bewiesen die Wittener Musiker Qualität. Mit André Parfenov hatte man einen Solisten gewonnen, der mit Anschlaghärte Stimmungen voll Sehnsucht und Lebenslust herausschrie, dem Orchester mit gewaltigen Basta das Schweigen für seine Kadenzen abverlangte.

Solist übertrumpfte das Orchester

Gerade im ersten Satz machte oftmals das Übertrumpfen des Orchesters durch den Solisten den Charakter aus. Dennoch bot es seinen Klangteppich, die Antworten der Bläser, vernehmlich dar, duckte sich nicht ab vor der Gewalt des Tastenkünstlers, der das Instrument bis an die Grenzen nutzte.

Gleichwohl zeigte der auch wehmütige Romantik, ließ sich auf solistische Dialoge ein. Dunkle Streicherklänge und Reiterszenen, ein grandioses Finale, ließen das Publikum trampelnd applaudieren und Bravo rufen.