Stones-Fieber in Castrop-Rauxel

Westfälisches Landestheater

Man achte auf Tankred Schleinschock. Wie ihm die Musik in den Körper fährt, wie er beseelt und verzückt mittänzelt! Die Lieder der Rolling Stones scheinen ihm ein Herzensding, folglich auch die Revue "Let's Spend The Night Together".

CASTROP-RAUXEL

, 15.06.2014 / Lesedauer: 2 min
Stones-Fieber in Castrop-Rauxel

Thomas Tiberius Meikl (l.) und Thomas Zimmer in der Stones-Revue des Westfälischen Landestheaters.

Da geht es dem musikalischen Leiter des Westfälischen Landestheaters (WLT) ganz wie dem Publikum, das an der von Schleinschock in Szene gesetzten Stones Show seine helle Freude hatte. Viele, die am Freitag die Ränge auf dem Castroper Markt bevölkerten, sind alt genug, um Stones-Fans der ersten Stunde zu sein. Fachkundig werden nach zwei Takten die Songs benannt, früh verabredet man sich, bei "Satisfaction" auf jeden Fall "auszurasten". Gesagt, getan.

Knackig arrangiert

Das Lippe-Saiten-Orchester unter Schleinschock spielt große Jagger/Richards-Hits wie "Last Time", "Angie", "Paint It Black", "Sympathy For The Devil", "Brown Sugar" oder "Tumbling Dice". Knackig arrangiert für zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboard, mit Biss und Drive gespielt. Gitarrist Matthias Fleige gibt sogar optisch ein passables Richards-Double ab. In Hannes Staffler hat die Produktion einen stimmlich herausragenden Frontmann, jeder Zoll ein Rocker. Jessica Kessler bringt Soul-Flair mit, manchmal hört es sich an, als interpretiere die junge Joy Fleming Lieder der Stones.

Um die musikalische Kern-Mannschaft gruppiert sich ein Ensemble, das kleine Spielszenen bestreitet, Chor singt oder zur fröhlichen Party-Meute taugt.Fidele Queen

Vesna Buljevic erntet Lacher und Beifall, wenn sie als fidele Queen Elisabeth ein Glaubensbekenntnis ablegt: "It's only Rock'n'Roll, but I like it!" Guido Thurk und Bülent Özdil kommentieren das Treiben nach Art der Muppet-Opas Statler und Waldorf.

Zwischen die Lieder sind Erzähl-Passagen montiert. Zeitzeugen lieferten das Material: Die Frau von der Taxizentrale weiß noch, wie Bill Wyman 1965 am Kamener Kreuz strandete und zur Halle Münsterland chauffiert werden musste.

Zwei Backfische schafften es mit falschem Presseausweis in die Umkleide der Band. Stones-"Mania" in den Worten der Infizierten: "Hätte ich Mick damals doch nur geküsst!"

Diese "Oral History" ist verschnitten mit Zitaten ignoranter Reporter, die dem "Gammler"-Phänomen fassungslos gegenüberstanden. Sehr amüsant. Nicht nur beim Killer-Riff von "Start Me Up" geht ein Schauer durchs Publikum: Stones-Fieber in Castrop.