Strahlende Leonore endet als gramgebeugte Frau

"Fidelio" in Hagen

Im Jahre 1805 wurde Ludwig van Beethovens Oper "Fidelio" in Wien uraufgeführt. Schriftstellerin Jenny Erpenbeck hat das Stück nun im Theater Hagen einen eigenen Handlungs- und Zeitrahmen hinzugefügt. Besonders musikalisch ist eine überaus vitale Aufführung entstanden.

Hagen

von Karsten Mark

, 20.04.2015, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Strahlende Leonore endet als gramgebeugte Frau

Florestan (Richard Furman) und Leonore (Sabine Hogrefe) lieben sich.

Die Revolution war erfolgreich, der Geliebte wurde gerettet - und doch ist die Enttäuschung groß. Warum? Weil sich die Hoffnungen am Ende doch nicht erfüllt haben. Zumindest nicht jene Eleonores, die als Fidelio verkleidet ihren Gatten aus dem Kerker befreit hat. Als sichtlich gealterte, gramgebeugte Frau führt sie in ihrer Erinnerung durch die Handlung - und klagt dabei ihr Leid, immer wieder.

Schriftstellerin Jenny Erpenbeck hat Beethovens Oper "Fidelio" im Theater Hagen einen eigenen Handlungs- und Zeitrahmen hinzugefügt.Regisseur Gregor Horres hat diese erweiterte Textfassung nun in Hagen auf die Bühne gebracht.

Verzagt und betrogen

Ganz konkret erfährt der Zuschauer nicht, was die alte Leonore so verzagt gemacht hat. Aber es gibt Ansätze zum Verständnis: Ihre Utopie hat sich nicht erfüllt. Mit der Spaßgesellschaft kann sie nichts anfangen und letztlich gehört sie als Frau wohl zu den Betrogenen der Revolution. Die Klage einer desillusionierten Alt-68-er? Schon möglich. Der ebenfalls etwas vage bleibende Regieansatz von Gregor Horres legt eine solche Richtung jedenfalls nahe. Der Kerker, den Ausstatter Jan Bammes auf die Bühne gebaut hat, könnte auch eine Industrieanlage sein, die Häftlinge und Aufseher wirken wie Arbeiter und Vorarbeiter.

Pathetische Wendung

Die pathetische Wendung zum Guten geht zunächst ihren gewohnten Gang. Richard Furman singt den Florestan mit heldischer Stimmgewalt und auch Sabine Hogrefe ist eine strahlende, kraftvolle Leonore. Die Brechung kommt mit dem Minister, eigentlich Held und Retter der Stunde. Kenneth Mattice aber kommt in seinem strahlend weißen Anzug als Lackaffe daher. Die große Befreiung haben diese Leute sicher nicht im Sinn. Angewidert greift die alte Leonore, gespielt von der Schauspielerin Harriet Kracht, in die Vergangenheit ein und rammt dem - damals verschonten - Despoten Pizarro ein Messer in den Bauch.

Im Detail hat die Personenführung mitunter Schwächen, im Ganzen aber funktioniert die Inszenierung. Musikalisch ist GMD Florian Ludwig mit den Gästen und Ensemble eine überaus vitale Aufführung gelungen.

 

 

Termine: 24.4./ 2., 7., 15., 20., 31.5./ 13., 21., 24.6. Karten unter Tel. (02331) 2073218.