Strawinskys „Sacre“ von den neuen Stars Klassikszene

Der CD-Tipp

Wenn man Teodor Currentzis neue CD im Plattenregal stehen sieht - kaufen würde man sie spontan nicht. Das auf den ersten Blick schriftlose Cover mit vielen Punkten ist mehr ein Fall für den Augenarzt. Understatement ist das, denn Klassikfreunde werden sich um die Aufnahme reißen, wenn sie herausgefunden haben, was drin ist.

DORTMUND

, 27.10.2015, 10:02 Uhr / Lesedauer: 1 min

Strawinskys "Le Sacre du Printemps" hat der 43-jährige Grieche mit seinem vortrefflichen Orchester MusicAeterna aufgenommen. Und dieses Orchester aus dem russischen Prem stürmt rasant an die Weltspitze.

"Rheingold" bei der Ruhrtriennale

Bei der Ruhrtriennale hat es im September Wagners "Rheingold" durch die Bochumer Jahrhunderthalle schäumen lassen; im November wird es mit Currentzis im Konzerthaus Dortmund seine mit Preisen überschütteten Interpretationen von Mozarts DaPonte-Opern vorstellen.

Nun also "Sacre", das Skandalwerk des Jahres 1913 und eine Art TÜV für jedes Orchesters. Die MusicAeterna besteht den mit Bravour. Da säuseln gerade noch zarte Frühlingsweisen, schon schießen brutal die Klänge der kämpfenden Stämme dazwischen. Später tanzt die Erde nicht nur, sie bebt - ein Vorgeschmack auf den Opfertanz am Schluss.

Suchtpotenzial

Currentzis lässt das alles sehr direkt hören, kettet die Sätze mit viel russischer DNA ganz fest zusammen, lässt sein Orchester knarzen und wimmern, ganz archaisch klingen und dann wieder sehr nobel.

Einen besonderen Klang hat dieses fantastische Orchester. In den CDs der beiden ersten DaPonte-Opern von Mozart kann man den schon hören, im "Rheingold" hat man ihn bestaunt; nach diesem "Sacre" kann man süchtig werden.

 

Teodor Currentzis /Music Aeterna: "Le Sacre du printemps" von Strawinsky, Sony Classical, 22,99 Euro.

Karten für Mozarts "Cosi fan tutte" (13.11.), "Figaro" (15.11.) und "Don Giovanni" (17.11.) im Konzerthaus Dortmund: Tel. (0231) 22696200.