Streep bei Golden Globes: "Es brach mir das Herz"

Politische Rede über Donald Trump

In der Nacht wurden in Los Angeles die wichtigsten Filmpreise nach dem Oscar verliehen: die Golden Globes. Einen wahren Trophäen-Regen gab es für das Musical "La La Land", bei den Serien räumte "The Crown" über das Leben von Königin Elizabeth ab und besonders gefeiert wurde Meryl Streep für eine Rede über Donald Trump.

Los Angeles

09.01.2017, 08:43 Uhr / Lesedauer: 3 min
Meryl Streep berührte mit einer Rede über Donald Trump.

Meryl Streep berührte mit einer Rede über Donald Trump.

Der Film „Moonlight“ von Regisseur Barry Jenkins hat den Golden Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Das berührende Werk erzählt von einem jungen, schwulen Afroamerikaner. Der große Abräumer der Gala war aber die Musical-Romanze „La La Land“ mit sensationellen sieben Trophäen. Das ist neuer Rekord bei des Globes: Bislang hatte es höchstens sechs Auszeichnungen für einen Film gegeben.

„La La Land“ wurde als beste Komödie ausgezeichnet. Außerdem gab es für das nostalgische Werk Preise für Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle sowie die Hauptdarsteller Emma Stone und Ryan Gosling und die Filmmusik. Die französische Schauspielerin Isabelle Huppert wurde für „Elle“ mit dem Golden Globe als beste Drama-Schauspielerin ausgezeichnet. Casey Affleck nahm seinen ersten Golden Globe als bester Drama-Darsteller für seine Rolle in dem berührenden Familiendrama „Manchester by the Sea“ entgegen.

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Das sind die Abräumer bei den Golden Globes 2017

Die Golden Globes sind die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars. Besonders abgeräumt hat in diesem Jahr der Musical-Film "La La Land", aber auch eine royale Serie zählt zu den Gewinnern. Wer noch? Hier sehen Sie es.
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Deutsche Hoffnungen wurden in der Globe-Nacht enttäuscht. Die Vater-Tochter-Geschichte „Toni Erdmann“ von Regisseurin Maren Ade ging leer aus: Den Preis in der Sparte „bester nicht-englischsprachiger Film“ holte „Elle“ nach Frankreich.

Netflix-Serie "The Crown" ausgezeichnet

In der Kategorie Serien ist „The Crown“ über die britische Königin Elisabeth II. als beste Dramaserie ausgezeichnet worden. Für die Titelrolle der Netflix-Reihe gewann am Sonntagabend Claire Foy auch den Preis als beste Schauspielerin in einer Dramaserie.

Der Preis für die beste Comedyserie ging an das in Deutschland beim Pay-TV-Sender FOX laufende „Atlanta“. Dessen Erfinder Donald Glover gewann auch den Preis als bester Hauptdarsteller in einer Comedyreihe. Er spielt in der Serie des US-Kleinsenders FX einen gescheiterten Alleingänger, der zum Manager seines rappenden Cousins wird. 

Bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie wurde Billy Bob Thornton in der Amazonserie „Goliath“. Tracee Ellis Ross gewann als beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie für „Black-ish“. In den USA läuft sie auf ABC, in Deutschland ist sie nur auf DVD oder zum Kauf bei Internetportalen erhältlich. Der Preis war die einzige Auszeichnung für eine Reihe von einem der großen US-TV-Sender. 

"Es hat mein Herz gebrochen"

Den beeindruckendsten und berührendsten Auftritt des Abendes legte aber Schauspielerin Meryl Streep hin. Die 67-jährige wurde mit dem Cecil B. Demille-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, nutzte jedoch die Gelegenheit eine politische Rede zu halten und damit zu berühren. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagte Streep mit Verweis auf den zukünftigen Präsidenten Donald Trump.

Der eindrücklichste Auftritt des Jahres sei für sie nicht in einem Film gewesen, sondern, als Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft habe. „Es hat mein Herz gebrochen als ich es gesehen habe, und ich kann es noch immer nicht aus meinem Kopf bekommen. (...) Dieser Instinkt, andere zu demütigen - wenn es von jemanden in der Öffentlichkeit vorgemacht wird, von jemand Mächtigem - zieht sich in den Alltag von uns allen.“ Schließlich gebe das anderen Menschen vermeintlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun: „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt.“ 

Hier sehen Sie die vollständige Rede:

Sichtliche Rührung

Die Galagäste im Saal hörten gebannt zu. Viele reagierten sichtlich gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Auch beim Kurznachrichtendienst Twitter lobten viele Streeps Auftritt: „Ein überwältigender Moment, wie wir ihn selten im Fernsehen sehen“, schrieb etwa Regisseur Michael Moore über Streeps „leidenschaftliche Golden-Globe-Rede“. Schauspielerin Julianne Moore verwies auf das Streep-Zitat „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“ - und ergänzte: „Danke #MerylStreep“. Ihre Kollegin Juliette Lewis twitterte: „Meryl Streep sagt alles, was gesagt werden muss auf sehr profunde und elegante Weise.“ 

 

"When the powerful use their position to bully others, we all lose" thank you #MerylStreep#GoldenGlobes

— Julianne Moore (@_juliannemoore)

 

Die seit 1944 vergebenen Golden Globe Awards sind die wichtigsten Filmpreise nach den Oscars. Über die Gewinner entscheidet eine Gruppe von knapp 100 internationalen Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten. Die Verleihungszeremonie findet traditionell bei einem lockeren Gala-Dinner statt. 

von dpa