Streit um zerkautes Kaugummi in der Kunst

Prozess in Düsseldorf

DÜSSELDORF. Zerkaute und angebissene Kaugummis kleben auf schwarzer Leinwand. Das Kunstwerk nennt sich "Eat Art". Um sechs der Kaugummi-Werke ist ein seltsamer Rechtsstreit entbrannt.

25.08.2010, 17:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Daniel Spoerri gehörte die "Eat Art Galerie".

Daniel Spoerri gehörte die "Eat Art Galerie".

Hoch her ging es 1968 bis 1972 in der "Eat Art Galerie" des Künstlers Daniel Spoerri in der Düsseldorfer Altstadt. In Spoerris Restaurant wurde gekocht, in der Galerie wurde das Essen zu Kunst gemacht. Nicht appetitlich, aber aufsehenerregend, wie die "l a gebratene Fischgräte", die Beuys 1970 dort aufhängte.Wer ist Urheber? 40 Jahre später ist ein bizarrer Rechtsstreit um die Urheberschaft der Werke aus Kaugummis entbrannt, die in der "Eat Art Galerie" produziert wurden. Eine Kunststudentin, die im Auftrag des Künstlers Francois Morellet unzerkaute und zerkaute Kaugummi-Streifen in horizontale Reihen auf schwarze Leinwand klebte, klagt beim Düsseldorfer Landgericht. Sechs der Kaugummi-Collagen waren 2009 in Düsseldorf in einer Ausstellung zu sehen - unter dem Namen Morellets. Nun verlangt die Frau, dass sie künftig als Urheberin der Werke genannt wird.Bissprobe Bei Anzahl und Anordnung der Kaugummistreifen auf der Leinwand sei sie von Morellets Vorgabe abgewichen. Und statt die Kaugummis wie vorgegeben anzukauen, habe sie die Streifen nur angebissen, macht die 59-Jährige geltend. Auf einer der Collagen ist im Kaugummi ein Zahnabdruck zu sehen. Eine Bissprobe der Klägerin liegt dem Gericht vor. Der ehemalige Geschäftsführer der Galerie, Carlo Schröter, sieht das anders: "Sie hat die Kaugummis nur aufgeklebt. Es war eine Auftragsarbeit", sagt er gestern beim Gerichtstermin. Das Gericht entscheidet am 8. September.

Lesen Sie jetzt