Streit ums Sonntags-Shopping

Allianz gegen Handel

Vor der Ratsentscheidung über die verkaufsoffenen Sonntage am Donnerstag haben sich die Stadtkirchen und Gewerkschaften zu einer Allianz für den freien Sonntag zusammengeschlossen. Sie fordern, der schleichenden Aushöhlung der Feiertagsruhe entgegenzuwirken.

BOCHUM

von Von Benedikt Reichel

, 01.02.2012, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Streit ums Sonntags-Shopping

Haben sonntags die Geschäfte geöffnet, ist die Stadt auch voll - die Allianz fordert dennoch Feiertagsruhe.

„Es gibt nicht viel Raum für gemeinsame Aktivitäten in der Familie“, sagt Müller weiter. Michael Hermund, DGB-Chef der Region Ruhr Mark, hinterfragt die Notwendigkeit der Sonderöffnungszeiten an den Sonntagen. Warum müssen bei einem Stadtteilfest die Läden geöffnet sein? „Wenn Kinder spielen, müssen Eltern dann einkaufen können? Diese Zwangsläufigkeit besteht nicht“, sagt Michael Hermund.  Die Kritik der Allianz lässt der Einzelhandeslverband nicht unkommentiert. Angesichts der Diskussion habe man sich bewusst auf drei Sonntage pro Ortsteil beschränkt, sagte Marion Ruge vom Einzelhandelsverband Ruhr-Lippe. Der Gesetzgeber hat eine Obergrenze bei vier gezogen, welche auf Landesebene derzeit neu diskutiert wird (wir berichteten). Bochum bleibe darunter, so Ruge gegenüber den Ruhr Nachrichten.

Untereinander kommunizieren Allianz und Verband nicht. Auf der Bochumer Ebene herrscht Funkstille. Obwohl die Allianz nach eigenen Angaben bereits seit einem Jahr zusammenarbeitet, hat es bislang kein einziges Gespräch mit den Vertretern des Einzelhandels gegeben. Die Allianz aus Kirchen und Gewerkschaften sieht den Einzelhandelsverband in der Pflicht, den ersten Schritt zu tun – letzterer dreht den Spieß um. Man habe die Allianz im März 2011 angeschrieben, jedoch keine Reaktion erhalten. „Es ist nicht so, dass wir der Einladung nicht gefolgt sind“, sagt Scheffler. „Aber das war keine Einladung.“ Müller räumt ein „kommunikatives Missverständnis“ ein. Man werde nun 2012 den Dialog suchen, betonen die Vertreter der Allianz. Dann hat der Rat aber schon entschieden.

Die Ratsfraktionen haben ihren Mandatsträgern die Entscheidung über die verkaufsoffenen Sonntage freigestellt. Es ist mit einem knappen Ergebnis zu rechnen. Um abwägen zu können, haben die Fraktionen Stellungnahmen des Einzelhandels und der Kritiker eingefordert - und bekommen. Dabei tritt die Allianz jedoch nicht mit einer gemeinsamen Erklärung auf, sondern jeder für sich lieferte eine gesonderte Stellungnahme ab.