Studenten drehten Film im Schloss Westhusen

"Nimmermehr"

Das Schloss Westhusen hat die Aufgabe als Film-Kulisse mit Bravour bestanden. „Nimmermehr“, die Verfilmung von Edgar Allen Poes Gedicht „Der Rabe“, der in den historischen Räumen des romantischen Schloss entstand, brachte ihren studentischen Machern den Diplom-Abschluss. Aber doch nicht alles, was sie erwartet hatten.

WESTERFILDE

, 01.04.2017 / Lesedauer: 3 min

„Der Film ist genauso geworden, wie wir ihn uns bei der Planung vorgestellt haben“, berichtet Regisseurin Lisa Wiedemann. Eine Woche lang hatte sie zusammen mit ihren Kolleginnen Alina Kumbroch (Produktion) Daniela Sülwold (Kamera) und einem fast 30-köpfigen Team in dem Empfangsraum der Alloheim Seniorenresidenz gedreht. Eine Woche voller glücklicher Momente.

Ein Glück, dass der renommierte Schauspieler Michael Baral sein Zusage einhielt, ein Glück, dass die Heimleitung die Dreharbeiten kostenlos ermöglichte, ein Glück, dass das Wetter stabil war, damit man die aufwendige Lichttechnik aufbauen konnte und ein Glück, dass sich der Rabe mit dem man am letzten Dreh-Tag drehte, als echtes Schauspieltalent präsentierte.

Talentierter Rabe als Highlight

Dabei ist der Begriff Drehtag falsch gewählt. Denn die Crew dreht nur nachts zwischen 20 und 6 Uhr, um dramatische Lichteffekte gestalten zu können.

Die drei Stunden Dreh mit dem trainierten Raben waren der Höhepunkt. Der Vogel war hochkonzentriert. Innerhalb kürzester Zeit gelangen der Crew unzählige Aufnahmen, die nachher im fertigen Film einen bleibenden Eindruck hinterließen. „Die Leute, die den Film sehen, fragen immer, wie habt ihr das mit dem Raben geschafft“, sagt Daniela Sülwold. „Und wir müssen immer antworten: Wir hatten Glück“. Denn der Rabe schenkte den Studenten sogar Schnabelbewegungen, die im Film mit dem bekannten „Nimmermehr“ synchronisierten werden konnten.

Mit dem Film und den Reaktionen darauf sind die drei Macherinnen sehr zufrieden, mit der Note 2,7, die ihnen die Prüfer gaben nicht: „Wir haben Abzüge für Dinge bekommen, die wir bewusst eingebaut haben“, so Lisa Wiedemann.

Zum Beispiel interpretierte Michael Baral den um seine Frau trauernden Poe bewusst ungepflegt und heruntergekommen. Der Bart sorgte für Abzüge. Auch das Spiel mit dem Licht, den Schauspieler mit bis zu sechs verschiedenfarbigen Scheinwerfern zu beleuchten und so dramatische Schattenwürfe zu bekommen, amerikanische Beleuchtung genannt, wurde kritisiert. „Die Prüfer hätte lieber eine deutsche Beleuchtung, also eine komplette Ausleuchtung des Bildes, gesehen“, sagt Lisa Wiedemann.

Die Filmemacher haben es schwer

Doch die Note mindert nicht den Stolz der drei Filmemacher auf ihr Werk. Und dieser Stolz könnte noch zunehmen. Denn „Nimmermehr“ befindet sich gerade im Bewerber-Pool für die Film-Festivals dieses Jahres. Bislang hat nur ein Festival abgesagt. Welches? „Cannes“, sagt Daniela Sülwold leicht enttäuscht. „Cannes hat abgesagt“. Doch Bewerbungen für 25 weitere Festivals allein in Deutschland stehen noch aus.

In der Zwischenzeit haben sich die drei Diplom-Filmemacher selbstständig gemacht. Lisa Wiedemann hat die Firma „Filmseele“ gegründet und kann ein Video für das Stadion-TV von Borussia Dortmund vorweisen; Daniela Sülwold ein Interview mit Rallye-Fahrer Ken Block für ein Internet-Automagazin und Alina Kumbroch arbeitete mehrmals für den WDR.

Alle drei würden gerne eine Festanstellung finden, doch das ist in der Branche eher selten. „Einzelne Aufträge werden sehr gut bezahlt, aber Aufträge zu bekommen ist schwer“, beschreibt Daniela Sülwold das unstete Leben, dass ihnen jetzt bevorsteht. Doch Lisa Wiedemann ist nicht verbittert: „Filme machen ist der schönste Beruf der Welt.“ 

Den Film sehen?
  • Solange der Film „Nimmermehr“ in der Bewerbung für Filmfestivals steht, darf er zum Beispiel nicht im Internet veröffentlicht werden.
  • Auf privater Ebene dürfen die Drei den Film allerdings zeigen.
  • Cineasten, die den 15 minütigen Film sehen möchten, können sich mit Lisa Wiedemann per Mail in Verbindung setzen. Sie schickt dann einen nichtöffentlichen Youtube-Link zurück. E-Mail an