Studiengang soll den Pop in die Zukunft bringen

Hans Nieswandt

„Es hat sich eine Tür zu einem neuen Land geöffnet, in dem ich relativ viel bestimmen kann.“ So spricht Hans Nieswandt über das Institut für populäre Musik - die Popakademie. Er baut den Studiengang der Folkwang Universität der Künste auf, der auf dem Gelände der Zeche an der Prinz-Regent-Straße entsteht

BOCHUM

, 17.05.2014, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Studiengang soll den Pop in die Zukunft bringen

Hans Nieswandt vor den alten Mauern der Folkwang Universität in Essen. Demnächst zieht er in das Institut für poluläre Musik an die Prinz-Regent-Straße um.

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Sie alle haben einen Bachelor, müssen künstlerische Erfahrung und ein spezielles Projekt vorweisen. Ob die Herstellung eines Albums, ein Bühnenprogramm, ein Video – die Projekte könnten beim Masterstudium über zwei Jahre entwickelt werden.

Dabei ist – wie generell in der Folkwang Hochschule der Künste – der interdisziplinäre Gedanke wichtig. So könnten für einen Film Folkwang-Tänzer eingesetzt werden. Oder: „Rockgitarrist trifft auf Teufelsgeiger. Wir wollen Unerhörtes auf die Beine stellen.“ Nicht umsonst sandte Nieswandt bei der Eröffnung des Folkwang Theaterzentrums eine „Videobotschaft aus der Zukunft des Folkwang Instituts für populäre Musik“. Mit Cigdem Goymen hat Hans Nieswandt inzwischen die erste Mitarbeiterin. „Sie hat für Fatih Akhin gearbeitet, vorher für das Goethe-Institut in Istanbul“, berichtet Nieswandt. Dozenten hat er dagegen noch nicht. Bewusst. Sie werden ausgewählt, wenn feststeht, welche der Bewerber einen der acht Studienplätze bekommen. Für Ende Mai sind die abschließenden Eignungsgespräche terminiert. Dann kann es helfen, wenn die Bewerber klar machen können, dass sie „beabsichtigen, nach den Sternen zu greifen.“

Nieswandts Ziel: Die Entwicklung von Künstlerpersönlichkeiten. Da sieht er durchaus Unterschiede zu vergleichbaren Einrichtungen. In Mannheim wird die Popakademie beispielsweise vom Wirtschaftsministerium getragen. Hier ist es das Wissenschaftsministerium. Sein Anspruch: „Den Pop in die Zukunft bringen“. Für ihn ist seine Aufgabe ein Forschungsprojekt. „Alle schauen zurück. Der Pop tritt auf der Stelle“, beschreibt er die momentane Situation. Von sich selbst sagt er: „Ich trage 50 Jahre Popgeschichte mit mir rum.“ Und erzählt: „Schon als 13-Jähriger habe ich geträumt, eine eigene Radiosendung, Schallplatten zu machen, Bücher zu schreiben.“ Dinge, die bis heute sein Leben bestimmen.

Die große, heroische Zeit des Pops sieht Nieswandt in den späten 60er Jahren, in einer Zeit also, in der es gesellschaftliche Freiheits-Entwicklungen gab. Pop und Freiheit – für ihn gehören diese Worte zusammen. „Künstlerische, gedankliche, seelische, gesellschaftliche Freiheit“. Heute dagegen werde Pop benutzt, sei Pop häufig konservativ bis reaktionär. Hinzu kommt, dass die Musikindustrie nicht ansatzweise mehr das ist, was sie einmal war. Künstler ein Jahr experimentieren zu lassen, das leistet sich heute niemand mehr. Ganz anders die Master-Studenten. Sie können sich zwei Jahre lang ausprobieren – mit allen notwendigen technischen Mitteln und guten Leuten an ihrer Seite.

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