Sturmtief legt Bahnverkehr im Norden komplett lahm

Probleme auch in NRW

Sturmtief "Xavier" hat den Bahnverkehr in Norddeutschland komplett lahmgelegt - bereits sechs Menschen sind durch den Sturm gestorben. Die Deutsche Bahn stellte den Zugverkehr in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen und auch den S-Bahnverkehr in Hamburg bis auf weiteres ein. Der Sturm hat auch Auswirkungen auf Berlin und NRW.

HANNOVER/BERLIN

05.10.2017, 15:07 Uhr / Lesedauer: 3 min
In Hamburg hat Sturmtief "Xavier" Bäume zum Umsturz gebracht. In Norddeutschland ist der Bahnverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen.

In Hamburg hat Sturmtief "Xavier" Bäume zum Umsturz gebracht. In Norddeutschland ist der Bahnverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Aktualisierung 19:58 Uhr

Die Zahl der Toten bei dem schweren Sturm „Xavier“ ist auf mindestens sechs gestiegen. Im Berliner Stadtteil Tegel wurde eine Frau getötet, als ein Baum auf ihr Auto stürzte. Ein weiterer Mensch sei bei Müllrose in Brandenburg ums Leben gekommen, teilte der Lagedienst der Polizei in Potsdam mit.

In Hamburg wurde eine 54-jährige Frau getötet, als ein Baum auf ein Auto fiel. Das Opfer hatte als Beifahrerin im Wagen gesessen. In der Nähe von Schwerin wurde ein Lastwagenfahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen. Nahe Gransee nördlich von Berlin fiel ein Ast in eine Windschutzscheibe und tötete einen Menschen. Zudem wurde in derselben Region eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen. 

 

Erstmeldung

In Nordrhein-Westfalen war besonders der Raum Bielefeld betroffen, wie ein Bahnsprecher in Düsseldorf mitteilte. Zwischen Gütersloh und Brackwede wurde die Strecke gesperrt. RE 6-Züge endeten in Rheda-Wiedenbrück oder Herford. Herabgestürzte Äste oder umgestürzte Bäume gab es auch auf den Strecken zwischen Schwelm und Hagen (S 8) sowie Dortmund-Kruckel und Dortmund-Barop (S 5). Umgestürzte Bäume auf den Strecken Marienheide-Meinerzhagen (RB 25) und Messinghausen und Brilon-Wald (RE 17) konnten bereits am frühen Nachmittag wieder beseitigt werden.

Besonders betroffen von den Störungen im Bahnverkehr war jedoch der Norden Deutschlands. Am Nachmittag stellte die Bahn auch die wichtigen Fernverkehrsstrecken Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg eingestellt. Das teilte ein Bahnsprecher in Berlin mit. Ursache für die Entscheidung der Deutschen Bahn waren auf die Gleise oder in die Oberleitungen gewehte Bäume, die einen durchgehenden Bahnverkehr unmöglich machten. Auf offener Strecke befindliche Züge versuchten, noch den nächsten Bahnhof zu erreichen. Betroffen waren auch die Hauptachsen von Hannover Richtung Bremen und dem Ruhrgebiet, weil Probleme bei der Stromversorgung der Signale in Wunstorf die Züge ausbremsten.

Zahlreiche Einsätze aufgrund eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume

Die Hamburger Feuerwehr forderte die Bevölkerung der Hansestadt auf, nicht rauszugehen. "Warnung für Hamburg. Halten Sie sich aktuell nicht im Freien auf, bleiben Sie im geschützten Bereich", twitterte die Feuerwehr. Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt. Es liefen Dutzende Notrufe ein, meldete die Feuerwehr per Twitter. In der Hansestadt wechselten sich seit dem Mittag immer wieder heftige Regenfälle und Stürme mit kurzen sonnigen Phasen ab.

In Berlin blieb wegen des Unwetters die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Marzahn geschlossen. "Die Schließung des IGA-Geländes dient der Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher", teilten die Veranstalter mit. Auch Zoo und Tierpark sollten ihre Pforten schließen. "Elefanten, Zebras und Giraffen (...) ziehen sich sicherheitshalber in ihre Stallungen zurück", hieß es.

Orkanböen könnten zu starken Sachschäden führen

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte in Teilen von Nord- und Ostdeutschlands vor Orkanböen der Stufe drei. Vier ist die höchste Stufe für Orkanböen. Die Experten empfahlen, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden und warnten vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen.

Hier geht es zur aktuellen Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes.

Auch im Ruhrgebiet gab es Probleme

Auch in NRW gilt die Sturmwarnung bereits ab 8 Uhr, zunächst bis zum Nachmittag um 16 Uhr. Besonders am Nachmittag muss im ganzen Land mit Sturmböen mit einer Geschwindigkeit bis zu 100 Stundenkilometern gerechnet werden. In Dortmund bleibt der größte Park der Stadt, der Westfalenpark, aufgrund der Sturmwarnungen geschlossen. Am Mittag war der Westenhellweg, die Einkaufsmeile in Dortmund, stellenweise gesperrt. Dort hatte sich kurz vor 13 Uhr ein großes Werbebanner vom Gerüst am Turm der Petrikirche gelöst.

Auch auf der Bahnstrecke der S5 ging in Dortmund zwischenzeitlich nichts mehr. Auf der Strecke zwischen Dortmund-Kruckel und Dortmund-Barop lag ein Baum im Gleis, meldete die Bahn. 

Dem Münsterland drohen sogar orkanartige Böen, hier gehen die Meteorologen von Windgeschwindigkeiten bis zu 115 Stundenkilometern aus, das entspricht Windstärke 11. Bei dieser Stärke muss auch mit starken Schäden gerechnet werden. Laut dem Deutschen Wetterdienst in Essen können Bäume umknicken oder durch den Wind entwurzelt werden.

"Am besten sollte man nicht aus dem Haus gehen", sagt Diana Hildebrand vom Deutschen Wetterdienst in Essen. Wer sich aber draußen aufhält, sollte Abstand von Gebäuden, Bäumen, Hochspannungsleitungen und Gerüsten halten. Ab Nachmittag könne damit gerechnet werden, dass der Wind abflaut.

Freitag: Bis zum Nachmittag Gewitter erwartet

Auch nach dem aktuellen Sturmtief "Xavier" wird das Wetter in Deutschland am Wochenende nicht angenehmer. Wie der DWD mitteilte, kommt es am Freitag zu teils kräftigen Schauern und Graupelgewittern, die erst zum Nachmittag von Norden her langsam nachlassen. 

mit Informationen von der dpa