Sucht und Sehnsucht: Bremer Uraufführung «Endlich Kokain»

Kokain-Sucht und Existenzängste - mit diesen aktuellen Themen will das Theater Bremen ein junges Publikum ansprechen. Die Uraufführung «Endlich Kokain» nach Joachim Lottmanns Erfolgsroman ist an diesem Samstag zu sehen.

Bremen (dpa)

von Von Sabine Komm, dpa

, 23.04.2015, 14:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Schauspielerin Betty Freudenberg bei der Probe zum Stück «Endlich Kokain». Foto: Carmen Jaspersen

Die Schauspielerin Betty Freudenberg bei der Probe zum Stück «Endlich Kokain». Foto: Carmen Jaspersen

Prostituierte wollen lieber koksen als Sex. Eine Band spielt auf einer psychodelisch bunten Pop-Bühne. Ein sehr dicker Ex-Fernsehredakteur sehnt sich zurück ins Leben.

Die für Samstag geplante Uraufführung «Endlich Kokain» von Regisseur Pedro Martins Beja kreist um die Sehnsucht nach Leben und das Abdriften in den Ego-Trip. Den Stoff dafür liefert Joachim Lottmanns gleichnamiger Erfolgsroman auf dem Jahr 2014.

Seit Tagen proben Beja und sein Team im Kleinen Haus. Das meiste funktioniert bereits: die Drehbühne für die Hamburger-Pop-Gruppe Zucker, die Projektionen für die Live-Videos, die sparsame Bühnenausleuchtung. Eine Spiegelwand trennt Schauspieler und Zuschauer voneinander wie eine Wand zwischen süchtigen und cleanen Menschen, zwischen außen und innen.

Stück und Roman spielen in Wien. «Das Grundsetting hat mich interessiert: Ein kontrollierter Mensch aus einem bürgerlich-liberalen Setting kokst, um abzunehmen», sagte Beja am Rande der Proben im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur. Genau diese Diät bringt Bewegung in das Leben des Oberspießers Stephan Braum, Mitte 50, hier mit Wollpulli und dicker Brille.

Wird Goethes «Faust» von Mephisto verführt, sind es in der Bremer Uraufführung drei Frauen, die mit dem einsamen Menschen wie mit einer Laborratte experimentieren. Die Sehnsucht scheint sich mit dem kristallinen weißen Pulver namens Kokain zu erfüllen: sexuelle Lust, egozentrisches Gequatsche, Abhängen in der Künstlerszene. «Ich bin auf dem richtigen Weg - oder?», fragt Schauspieler Jiri ?erný in der Rolle des Braum.

Auch Hamburgs Thalia Theater hat Interesse an dem Stück, Bremen aber sicherte als erstes Haus die Rechte. Regisseur Beja reizt es, diesmal nicht «Hamlet», sondern ein Stück über das Jetzt zu inszenieren. Wie schon Autor Lottmann will auch das junge Theaterteam nicht moralisieren: «Es geht uns vielmehr um die Einsicht, sein eigenes Leben nicht gelebt zu haben, und nur noch wenig Zeit zu haben, um das nachzuholen. Wer kennt das nicht?»

Lottmann selbst seien sie bisher nur kurz begegnet, sagt Beja: «Wir wollten innerautistisch arbeiten, den Druck von innen und nicht von außen haben.» Der Autor habe sich nicht in die Proben eingemischt, er werde aber zur Premiere erwartet.

Lottmann, 1956 in Hamburg geboren, lebt in Wien und gilt als Vertreter der Pop-Kultur. Diese Woche bekannte sich der Autor mit Sakko und Sonnenbrille bei einer Veranstaltung der Bremer Theater-Freunde in gewohnt ironischem Plauderton zu Dingen, deren Wahrheitsgehalt offen blieb. Etwa zum eigenen Kokainkonsum: «Man kann nur über etwas schreiben, was man kennt», sagte er. «Endlich Kokain» jedenfalls sei keine Satire, sondern ein Spiegelbild der Realität: «Das Buch habe ich wahnsinnig gern geschrieben, das war ganz leicht.»

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