Suchthilfe in Aplerbeck: Wenn der Genuss zum Suff wird

APLERBECK Ganz entspannt sitzt Wolfgang Ullrich in einem Café an der Köln-Berliner-Straße vor einer Tasse Kaffee. Rührt bedächtig mit dem Löffel in der dampfenden Flüssigkeit und lächelt.

von Von Jörg Bauerfeld

, 12.01.2009, 14:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Trockene Alkoholiker, die anderen helfen. Wolfgang Ulrich und Anita Bongardt vom Freundeskreis.

Trockene Alkoholiker, die anderen helfen. Wolfgang Ulrich und Anita Bongardt vom Freundeskreis.

Die bösen Geister, die durch ein Übermaß von Hochprozentigem auftauchen – Wolfgang Ullrich hat sie alle schon kennen gelernt. Der psychische Druck, das Zittern, die Magenkrämpfe und die ewige Suche nach „etwas zu saufen“. „Es ist die Hölle“. Und wer durch die Hölle gegangen ist und es geschafft hat, wieder trockenen Boden unter die Füße zu bekommen, der kann bestens von seinen Erfahrungen berichten. Dem Dämon Alkohol ist er seit 13 Jahren nicht mehr begegnet, „seit dem bin ich trocken“.

Angefangen hat alles im Alter von 24 Jahren, „da hab ich gemerkt, ich bin alkoholabhängig.“ Der gelernte Bankkaufmann scheut sich nicht, über seine Krankheit zu sprechen. In Gegenteil, die Einzelheiten machen nachdenklich, zeichnen ein erschreckendes Bild über die Sucht. „Ich war 24 Stunden für den Alkohol da, er war mein bester Freund“, so Ullrich.

Wenn die Hände zitterten, gab es neuen Stoff. Mitten in der Nacht einen Schluck zum Weiterschlafen. Die Zeit im Job wurde zur Quahl, abends „mindestens eine 3/4 Flasche Weinbrand.“ Der Körper lehnte sich auf: „Ich habe jeden Morgen gekotzt, da gewöhnt man sich dran.“ Die Familie litt mit. Irgendwann dann die Erkenntnis – so geht es nicht weiter. Die Suchtkrankenhilfe war die Rettung. Es folgte ein kalter Entzug. Wolfgang Ullrich hat seine Chance genutzt. Und jetzt will er die Jugend warnen – vor der unheilbaren Krankheit Alkoholsucht.