Super: Elmar Goerden zeigt Mamet-Marathon am Schauspielhaus Bochum

BOCHUM Die Reihen sind nur ein wenig lichter geworden, als am Bochumer Schauspielhaus das letzte von drei David-Mamet-Stücken beginnt. Elmar Goerden hat es tatsächlich geschafft, über die Distanz von fünf Stunden die Spannung zu halten und mit "Work, Sex And Politics" eine der besten Arbeiten seiner Intendanz hingelegt.

von Von Max Florian Kühlem

, 05.04.2009, 15:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Verzweifelte Makler: Manfred Böll als George  und Benno Ifland  als Dave 
in Mamets "Hanglage Meerblick".

Verzweifelte Makler: Manfred Böll als George und Benno Ifland als Dave in Mamets "Hanglage Meerblick".

Getrost alles darf man an diesem Abend als gelungen bezeichnen: die Wiederentdeckung des Autors, die Auswahl der Stücke, Besetzung, Tempo, Timing und die Ausstattung, die sich als Gesamtkunstwerk im Foyer der Kammerspiele fortsetzt. Dort bekommt das Publikum in den Pausen - genau wie die Darsteller auf der Bühne - american food.

Spannend, wie Mamets Stücke heute wirken: Das aktuellste, "November", ist eine 2008 verfasste Farce auf einen dummdreisten, korrupten US-Präsidenten, und erscheint nach der Obama-Euphorie, als erzähle es von einem alten, wenn nicht vergessenen, dann doch aktiv verdrängten Amerika. Als Abschluss der Trilogie erfüllt es jedoch seinen Zweck - sorgt mit dem vortrefflichen Comedy-Paar aus Martin Rentzsch (der kurzfristig für den erkrankten Fritz Schediwy eingesprungen ist) und Macro Massafra für ein befreit auflachendes Publikum.Durchwurschteln in Zeiten der Krise

Das, was die Figuren an diesem Abend vereint, spricht der Präsident in "November" aus: "Wir sind ein Volk aus Feld-, Wald- und Wiesentüftlern." So wird der Zuschauer gleich zu Beginn mit äußerst unangenehmen Durchwurschtlern konfrontiert: den Immobilienmaklern, die in "Hanglage Meerblick" im schäbiges Intrigenspiel um Macht und Geld gefangen sind. Bereits 1984 verfasst, wirkt dieser Einakter in Zeiten der Finanzkrise so aktuell wie nie, ist mit den wunderbar schmierigen Figuren von Thomas Anzenhofer und dem einmal mehr fabelhaft aufspielenden Marco Massafra bravourös in Szene gesetzt.Temporeiches Zwischenspiel

Tatsächlich bloß ein Zwischenspiel stellt "Sexual Perversity in Chicago" dar, hier muss Regisseur Goerden die fehlende Substanz durch erhöhtes Tempo ausgleichen. In kurzen Blitzlichtern wird so zu gefälliger Loungemusik die Geschichte einer Männer- und einer Frauenfreundschaft erzählt, die zwar ewig über Sex reden, aber kaum zu echter Liebe fähig sind.

Großartige Momente und präzise Beobachtungen

Doch selbst dieses Intermezzo bietet präzise Beobachtungen, gültige Wahrheiten und großartige Momente im Spiel vor allem von Maximilian Strestik und Marina Frenk.

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