Supertalent-Casting war alles andere als spektakulär

Im Mercure Hotel

Wenn RTL-Zuschauer beim "Supertalent" einschalten, wissen sie oft ganz genau, was sie erwartet: Schrille Kandidaten, schräge Talente und eine große Portion Situationskomik zeichnen die Show um Dieter Bohlen aus. Doch bei den Castings geht es ganz anders zu. Ein Ortsbesuch am Donnerstag im Dortmunder Mercure Hotel.

DORTMUND

von Julia Artjukow

, 19.05.2016, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nasser Abdelgauwad, einer der Teilnehmer.

Nasser Abdelgauwad, einer der Teilnehmer.

Eins steht außer Frage: Seit zehn Jahren ist „Das Supertalent“ ein wahrer Quotengarant für RTL. Die Show bietet Talenten und jenen, die gerne eins wären, die Chance auf ihren ganz großen Auftritt. Zuschauer bleiben dem Format treu, erfreuen sich Jahr für Jahr an dem bunten Unterhaltungsprogramm der Sendung, begleiten schrille Kandidaten auf deren Weg zum Ruhm oder zur Blamage.

Die Sendung ist abwechslungsreich und bunt, sie schockiert und amüsiert. Ähnlich aufregend erwartet man auch die Castings des Formats – Fehlanzeige! Nach Glamour, Witz und spektakulären Szenen suchte man am Donnerstag im Mercure Hotel vergeblich.

Es ist ungewöhnlich ruhig im Foyer

Es ist ungewöhnlich ruhig im Foyer. Zwei Mitarbeiterinnen sitzen hinter einem großen Tisch, beschriften konzentriert weiße Aufkleber. Im regelmäßigen Abstand kommen die Kandidaten an, stellen sich den beiden Frauen hinter dem Tisch vor. Sie bekommen Aufkleber mit einer Nummer ausgehändigt, kleben sich diese auf die Brust. Dann die Anweisung, sich in den Wartebereich zu begeben und auf den Aufruf zu warten. Alles verläuft sehr geordnet und routiniert: keine Fauxpas, keine Aufreger, keine großen Auffälligkeiten.

Ein Mitarbeiter vor dem Wartebereich ruft die Kandidaten der Reihe nach auf. Er trägt ein Headset, kommuniziert immer wieder mit seinen Kollegen. Mit einem ständigen Blick auf sein Klemmbrett kontrolliert er, ob alles seinen gewohnten Lauf nimmt. Sicherheitsmänner laufen im ruhigen, fast schleichenden Tempo durch das Foyer. Auch sie haben das Geschehen genau im Blick.

Einige stechen aus der Masse raus

In dieser geordneten Umgebung stechen einige Kandidaten direkt heraus: Sie tragen bunte, glitzernde Outfits und wirken beinahe wie Fremdkörper in der sonst so unspektakulären Casting-Situation. Nasser Abdelgauwad ist einer dieser Bewerber. Der Bauchtänzer überrascht mit einem freizügigen Outfit. Er trägt ein bauchfreies, auffälliges Kostüm und ist mit Glitzerstaub angesprüht. Beim Casting wolle er die arabische Kultur repräsentieren, verrät der Ägypter ein wenig aufgeregt vor seinem Auftritt.

Auch Michael Jackson-Double Eddie de Mars hat eine Mission: Er möchte unbedingt vor Dieter Bohlen performen. Zum vierten oder fünften Mal, ganz genau wüsste er es nicht, sei er bereits beim Supertalent dabei. Für einen Auftritt vor der prominenten Jury hat es aber nie gereicht.

„Es hat Spaß gemacht“

Eddie trägt weiße Pailletten-Handschuhe und ein glänzendes Jackett. Seine lockige Mähne bändigt ein Zopf unter einem Hut. Über den Ablauf und Ausgang des Castings spricht das Double nicht: „Es hat Spaß gemacht“, geht er, mit einem kurzen Blick zu einer Mitarbeiterin, der Frage aus dem Weg.

Und auch die Mitarbeiter selbst halten sich mit Informationen zurück. Sie wirken verschlossen, möchten nicht zitiert werden. Das Paradoxe: Mit ihrem geheimnisvollen Verhalten widersprechen sie dabei komplett dem bunten und schrillen Bild, das Supertalent-Zuschauer von der erfolgreichen Show haben.