Swingende Weihnachten mit Thomas Quasthoff

Philharmonie Essen

Lässig sitzt er vorm Mikrofon und singt Jazz - als hätte er nie was anderes gemacht. Aber Thomas Quasthoff, lange ein Meister des klassischen Liedgesangs, bedient ja auch seit nun bald fünf Jahren nur noch das "leichtere" Genre. Am Dienstag eiferte der Bassbariton in der gut besuchten Philharmonie Essen Größen wie Bing Crosby, Louis Armstrong und Bobby McFerrin nach.

21.12.2016, 11:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Quasthoff kokettiert mit Vorbildern, um sich gleichzeitig von ihnen abzuheben.

Quasthoff kokettiert mit Vorbildern, um sich gleichzeitig von ihnen abzuheben.

Und frotzelte bei seiner launigen Moderation beiläufig über das spärliche, überalterte Publikum bei Liederabenden.

Das große Plus auch jetzt wieder in Essen: das Volumen und die Wendigkeit von Quasthoffs sonorer Stimme, die vor allem immer dann begeistert, wenn er mit ihr genussvoll in tiefste Lagen hinabgleitet. Ganz famos überdies sein bestens aufeinander eingespieltes, cool swingendes und ungemein differenziert begleitendes Trio aus Pianist Frank Chastenier, Dieter Ilg am Kontrabass und Wolfgang Haffner an den Drums.

Intensiv vorgetragenes "Imagine"

Quasthoff kokettiert mit Vorbildern, um sich gleichzeitig von ihnen abzuheben. In den Broadway-Klassikern "Can't we be friends?" und "Makin' whoopee" färbt er seine einschmeichelnde Stimme nur zwischenzeitlich rauchig-rau à la Louis Armstrong ein. Seinem Idol Stevie Wonder frönt er mit "For Once in my Life", wobei er völlig anders klingt als der Soulsänger. Als Intro zu "Witchcraft" imitiert er mit tiefem Bass das erotische Gesäusel eines Barry White.

In einem Solo ahmt er gekonnt Bobby McFerrin nach. Highlights sind Gershwins "Summertime", das sich erst langsam aus Dieter Ilgs atmosphärischem Bass-Solo herausschält, und John Lennons intensiv vorgetragenes "Imagine", das so auch an das einleitende Plädoyer um Courage angesichts des Terroranschlags von Berlin anknüpft.

Dass das Programm - wie Quasthoffs CD von 2014 - "Mein Weihnachten" heißt, bringen nur die "Christmas"-Songs im zweiten Teil zum Ausdruck. Einziges deutsches Lied dabei: die von Frank Chastenier mit zarten Jazzklängen bedachte Brahms-Zugabe "Guten Abend, gut' Nacht".