Täglich ein warmes Essen

Bochum/Jucu So etwas nennt man wohl auch in Rumänien "Just in time". Als sich die Repräsentanten von Nokia gestern Morgen bereits auf den Weg zum neuen Werk gemacht hatten, setzten die Bauarbeiter zum großen Endspurt an.

von Von Thomas Aschwer

, 11.02.2008, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Bild, das nicht nur den Nokianern schmerzt: Jetzt bauen (auch) Rumänien die Handys zusammen.

Ein Bild, das nicht nur den Nokianern schmerzt: Jetzt bauen (auch) Rumänien die Handys zusammen.

Wie Augenzeugen berichteten, waren noch 15 Minuten vor Ankunft des Managements Bauarbeiter mit den letzten Maßnahmen an der Zufahrtsstraße zum Nokia-Werk beschäftigt. Vor dem neuen Standort des finnischen Handyherstellers hielten derweil Rumänen Ausschau nach John Guerry. Sie wollten sich direkt beim Texaner um eine Anstellung bewerben. Denn im Gegensatz zu Bochum, wo Nokia seinen guten Ruf ziemlich ramponiert hat, genießt der Konzern in Rumänien ein guten Ruf.

"Die Mitarbeiter sind mit ihren Jobs zufrieden. Sie verdienen ca. 300 Euro im Monat. Dazu bekommen sie täglich ein warmes Essen", berichtete ein rumänischer Zeitungskollege von ZIUA de Cluj von der Situation vor Ort. Allerdings hätten sie noch einige Probleme bei der Fertigung der Mobiltelefone.

Vielleicht auch der Grund, warum der Konzern, der weitgehend im Besitz amerikanischer Investmentfonds ist, die Produktion langsam anlaufen lässt. Derzeit arbeiten wenige hundert Leute im Werk. Die Zahl soll allerdings bis Ende des Jahre auf ca. 1500 wachsen. Im Endausbau sind dann 3500 geplant.

Aktive Gewerkschaft

Über die Situation in Bochum sprechen würden die Menschen nicht viel sprechen, war zu erfahren. Es tue ihnen Leid, dass die Menschen wohl ihren Job verlieren würden. Mehr mögen sie aber nicht sagen. Allerdings haben sie bereits gehandelt. Grigore Pop, der Chef von der Cartel Alfa Cluj Gewerkschaftsunion hat bestätigt, dass die Beschäftigen eine Mitarbeitervertretung anstreben würden. Derzeit würde es unter den Beschäftigten 15 Gewerkschaftsmitglieder geben, sagte Grigore Pop. Doch zunächst einmal hat Nokia in Rumänien freie Fahrt. Eigens für den Handyhersteller wurde ein Gleisübergang erweitert. Und zwei Tage vor der Eröffnung wurde eine Straße geteert. Halt alles just in time.

"Wir sind begeistert, dass die Leute hier in Rumänien unsere Vision teilen, das sie für Nokia arbeiten möchten", sagte dann auch Juha Putkiranta bei der gestrigen Eröffnung. "Das Nokia Werk in Rumänien wird ein bedeutendes Teil unseres globales Netzwerkes sein." Was aus Bochum werden soll oder kann, wird sich vielleicht schon heute zeigen.  www.ziuadecj.ro