Tänzer pilgern auf Dantes Läuterungsberg

Ruhrtriennale 2016

"Tout est pardonné" (Alles ist vergeben) - das steht über der Pforte zum Paradies, durch die die vier Tänzer und ein Musiker, nackt und frisch geduscht, von der Bühne verschwinden. Zuvor hatten sie sich gut 50 Minuten durchs Fegefeuer gequält: Richard Siegals "In Medias Res", der zweite Teil seiner Ruhrtriennale-Trilogie, wurde am Samstag auf Pact Zollverein in Essen uraufgeführt - und mit reichlich Applaus gefeiert.

ESSEN

15.08.2016, 15:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tänzer pilgern auf Dantes Läuterungsberg

Erst der Schmutz, dann die Läuterung im Dante-Ballett.

Nach "Models" im vergangenen Jahr, eine Reise durch Dantes "Inferno", beschäftigte sich der Choreograf jetzt mit dem "Purgatorio", dem zweiten Buch von Dantes "Göttlicher Komödie". Während im Original der Aufstieg auf den Läuterungsberg über sieben Stationen, die für die Todsünden stehen, führt, gibt es bei Siegal ein siebengängiges Menü für einen Mann in der ersten Reihe. Kontrabassist und schlecht verständlicher Sprecher Frédéric Stochl gibt den Restaurantchef, während die Tänzer Kellner spielen - und Corvey Scott-Gilbert in blauen Shorts einen düsteren Table-Dance abliefert.

Endzeitszenario mit Schutzanzügen

Die Bühne ist mit verstaubtem Stoff ausgelegt. Davor betätigt sich Kevin Quinaou gekonnt als Fahnenschwenker. Doch erst mal ist Endzeitszenario angesagt, den elektronischen Klangteppich dazu liefert Lorenzo Bianchi Hoesch unterstützt von Stochl und Wolfgang Zamastil (Cello). Zum Teil in weißen Schutzanzügen bewegen sich die drei Tänzer und eine Tänzerin in abgezirkelten Bewegungen. Wälzen sich auch gerne im erdigen Schmutz oder malen sich wie Vânia Vaz passend zum blauen Kleidchen mit blauer Farbe an. Beim Reinigungsprozess wird man mitunter recht schmutzig - Stichwort Ablasshandel.

Es passiert viel gleichzeitig in diesem requisitenreichen Stück. Denn neben den zeitgenössischen Tanzeinlagen sind die Tänzer damit beschäftigt, die Bühne zu vermüllen - mit Sofa, Pflanze, Plastikplanen, Garderobenständern, Farbeimern... - und abräumen müssen sie das angerichtete Chaos auch wieder, bevor der die Bühnen füllende Stoff dann abgezogen wird. Das schönste Bild des Abends.

Termine: 18.-20.8.; Karten: Tel. (0221) 280210.

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