Tag des offenen Denkmals bietet ein spannendes Programm

Am 10. September

An der Märkischen Emschertalbahn liegt das Gelsenkirchener Bahnbetriebswerk Bismarck. Es ist das größte erhaltene Bahnbetriebswerk für Dampflokomotiven im Ruhrgebiet und seit 1989 außer Betrieb. Am 10. September öffnet es beim Tag des Denkmals nochmal für alle Interessierten.

GELSENKIRCHEN

von Christopher Stolz

, 04.09.2017, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tag des offenen Denkmals bietet ein spannendes Programm

Am Tag des Denkmals können die Besucher zahlreiche alte Dampflokomotiven aus nächster Nähe betrachten.Foto: Christopher Stolz

Auf 88 000 Quadratmetern liefen dort Loks aus, bis das Werk 1982 an das Bahnbetriebswerk Oberhausen-Osterfeld-Süd angegliedert wurde. Das Markenzeichen in Bismarck sind die Ziegelfassade und der 16-ständige Ringlokschuppen mit Drehscheibe.

Die Pfeilerköpfe an der Außenwand des Schuppens sind expressionistisch geprägt – überhaupt gehen am Bahnbetriebswerk, das seit 1994 unter Denkmalschutz steht, Jugendstil und Industriearchitektur Hand in Hand.

Markante Ziegelfassade



Es sind einige hundert Meter zu bewältigen vom Bahnhof Gelsenkirchen-Bismarck bis dass die Ziegelfassade überhaupt zu sehen ist. Der erste Blick ins Werk entschädigt für den langen Weg. Zuallererst sticht eine orangene Rangierlok ins Auge – sie ist die stärkste mit 350 PS.

Paul Lindemann und die Freunde des Bahnbetriebswerks Bismarck leben von Materialspenden der Ruhrkohle. Die Schmiede rechts des Eingangs wäre beispielsweise verschrottet worden, hätte sie nicht im Werk einen Abnehmer gefunden.

Einige Meter hinter der orangenen Lok beginnt der Ringlokschuppen, der vollgepackt ist mit riesigen, kohlbetriebenen Schmuckstücken früherer Zeit. „Wir sind keine Eisenbahnsammler“, stellt Lindemann fest, „die sind uns durch Spenden zugeflogen“.

„Der Heizer hat Pause“

Die ganz schwarze Lok im äußersten Stand des Schuppens ist seit 2000 da und würde schätzungsweise 750 000 Euro kosten. Gegenüber der PS-starken orangenen Lok hängt weit oben an der Wand das Kunstwerk „Der Heizer hat Pause“. Es ist ein Ensemble aus türkisem Tisch und Stuhl, Helmen und einer Schaufel am verbrauchten Wandputz.

„Wir haben nicht die Absicht, ein Eisenbahnmuseum zu werden, sondern ein Erlebnispark. Wir wollen Breiten- statt Hochkultur machen“, erklärt Lindemann. Und er hat Visionen: In Zukunft soll aus dem Werk in Bismarck ein Bahnaktivwerk mit Gastronomie, Aussichtsturm, Spielberg für Kinder oder Lokparade mit Tribüne entstehen.

Das würde mehrere Millionen Euro kosten – ohne Sponsoren nicht machbar.

„Bismarck war ein Vorbild für andere Bahnbetriebswerke“, sagt Lindemann. Er wünscht sich, dass das Werk auch vom Eigentümer, dem Regionalverband Ruhr, so behandelt würde. Der Beton an den Wänden ist abgesplittert und müsste eigentlich dringend saniert werden.

Drehscheibe seit 1924



Durch eine Tür gelangt man nach draußen zur Drehscheibe, die noch immer funktioniert – seit 1924 durchgängig.

Neben der Drehscheibe geht es nach oben zu Gleis 11 des Bahnhofes Bismarck, das zum Bahnbetriebswerk gehört. Es liegt auf einer Anhöhe, von wo aus der Besandungsturm, der Tunnel und die Verwaltungsgebäude zu sehen sind.

Am Tag des Denkmals wird es Kaffee und Kuchen geben, zudem Führungen und Currywurst für den Hunger zwischendurch. Für die Freunde steht Ausprobieren und Erfahren im Vordergrund. „Wir wollen den Arbeitern ein Denkmal setzen, den Malochern. Die haben ihre Knochen hingehalten, damit wir fahren konnten“, sagt Lindemann, der früher Lokführer war.


Das Bahnbetriebswerk Bismarck, Grimbergstraße 2 in Gelsenkirchen, ist am 10. September von 10 bis 15.30 Uhr geöffnet.