Takao Baba: "Tanzen kann auch Sport sein"

Das Interview

Es wird laut und voll in der Bochumer Jahrhunderthalle. Ende Mai treten dort die besten Street-Art-Tänzer der Welt beim Finale von „Snipes Funkin‘ Stylez“ gegeneinander an. Takao Baba (42) hat einst mit den Spice Girls gearbeitet, ist Choreograf der Urbanatix und hat 2004 das „Funkin‘ Stylez“ gegründet. Michael Nickel hat Takao Baba vor dem Finale auf den Zahn gefühlt und ihn mit sieben Thesen konfrontiert.

BOCHUM

, 19.05.2016, 06:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

1. Die Arbeit mit den Spice Girls hat mehr Spaß gemacht als Funkin Stylez auf die Beine zu stellen.

(lacht) Das kann man so nicht sagen, weil es zu unterschiedlich ist. Funkin‘ Stylez ist etwas für die Szene, die Spice Girls waren ein Job.

2. Tanzen ist kein Sport, sondern ausschließlich Kunst.

Ja und nein, es kommt auf die Einstellung eines jeden Tänzers an. Tanzen kann auch Sport sein. Ich selbst sehe es als Kunstform, mit der ich mich persönlich ausdrücken kann – für andere hingegen ist es eher Sport.

3. Funkin‘ Stylez gehört zu den wichtigsten Events seiner Art weltweit.

Ja, das kann ich bestätigen. Wir haben mit Funkin‘ Stylez eine Art Pionierstellung in Deutschland, wir sind die Ersten, die solch ein Format eingeführt haben. Andere haben zwar Hip-Hop-Wettbewerbe, aber wir haben ein eigenes Konzept, unter anderem mit Locking, Popping und einem Team-Battle. Wir haben auch das Voguen eingeführt, einen Tanz, der seinen Ursprung in der Schwulen-Szene hat. Wir haben vielleicht nicht das wichtigste Event weltweit, aber eines der wichtigsten. Sonst würden nicht so viele Leute aus allen möglichen Ländern zu uns kommen.

4. Das Ruhrgebiet ist der beste Ort für das Finale.

Ja, hier ist die Szene deutschlandweit am stärksten. Durch die geografische Nähe gibt es einen häufigen Austausch mit Franzosen, Belgiern und Niederländern. Man ist von hier aus schnell in Paris. Vor allem die Franzosen haben eine sehr starke Szene. Als wir das Finale 2012 und 2014 in Berlin ausgetragen haben, haben wir dadurch viele Franzosen verloren.

5. Ein Besuch Ende Mai in der Jahrhunderthalle lohnt sich für Zuschauer.

Auf jeden Fall. Das ist ein Muss für alle, die Tanzen mögen. Auch Leute, die einfach nur Musik hören und Spaß an der Bewegung haben, werden auf ihre Kosten kommen. Vor allem bei den Battles weiß man nie, was passiert. Es kommt immer auf den Moment an, die Tänzer wissen nie, welches Lied kommt. Es ist bei uns nicht wie im Kino, wo man in gewisser Weise weiß, was man zu erwarten hat.

6. Takao Baba wollte früher eigentlich Betriebswirt werden.

Exakt. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich für solche Sachen kein Talent habe, Mathe war nie so meins – das war alles doch nicht meine Welt.

7. Takao Baba wird auch mit 70 Jahren auf der Bühne stehen und tanzen.

Ja, falls die Leute mich dann noch sehen möchten (lacht).

Das Finale der „Snipes Funkin‘ Stylez“ findet vom 27. bis 29. Mai (Freitag bis Sonntag) in der Bochumer Jahrhunderthalle statt. Am 27. Mai hat jeder, der mindestens 16 Jahre alt ist, die Möglichkeit, sich für das „Eins gegen Eins“-Battle zu qualifizieren. In den vergangenen Monaten fanden weltweit mehrere Qualirunden statt. Am Samstag steht das Finale im „Eins gegen Eins“-Battle der Solotänzer an, am Sonntag findet das „World Team Battle“ statt. Hier messen sich 16 Nationen im „Fünf gegen Fünf“-Battle. Vom 26. bis 29. Mai finden verschiedene Workshops mit internationalen Top Choreographen statt. Am Sonntag battlen die „HeroKidz“ im Alter von 9 bis 15 Jahren. Die Preselection findet am selben Tag statt. Takao Baba ist gebürtiger Japaner, vor seinem ersten Geburtstag ging es nach Düsseldorf, wo er auch heute lebt. Baba gehört zu den besten Hip-Hop-Choreografen Deutschlands. Tickets gibt es online, an allen bekannten VVK-Stellen und an der Tageskasse. Das Tagesticket kostet 20 Euro, das Kombiticket für beide Tage 35 Euro.  www.funkin-stylez.com