Tamás Ascher inszeniert "Der Kirschgarten"

Theaterpremiere

Der ungarische Regisseur Tamás Ascher weiß noch genau, wie er vor 27 Jahren mit seiner Erfolgs-Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“ am Schauspielhaus zu Gast war. Mit seiner ersten Arbeit für den Spielplan des Hauses knüpft er an diese schöne Erinnerung an.

BOCHUM

, 03.09.2015, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tamás Ascher inszeniert "Der Kirschgarten"

"Der Kirschgarten" als humorvolles Stück über Menschen, die ihren Platz in der Welt (noch) nicht kennen.

Denn mit „Der Kirschgarten“ bringt er erneut Tschechow auf die Bühne an der Königsallee, diesmal mit leisem Humor. Die erste Premiere der neuen Spielzeit handelt vordergründig nur von einem Kirschgarten, der verkauft werden muss. Doch es handelt auch von einer nostalgischen Gutsbesitzerin, die nicht loslassen will, was sie eigentlich längst nicht mehr interessiert. Von vielen Menschen, die nicht wissen, wer sie sind oder was sie wollen.

Tschechows Stück spielt in der Krisenzeit Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als Russland eine Wende von der Aristokratie zum Sozialismus vollzog. Um die Situation der Figuren nachzuvollziehen, greift Tamás Ascher auf eigene Erfahrungen zurück: „Ich habe die Wende 1989 in Ungarn miterlebt, als das Land von einem halb zusammengebrochenen Sozialismus übergegangen ist in einen nicht ganz gelungenen Kapitalismus“, sagt er. „Er wurde auf Trümmern aufgebaut, es wurde versucht, die Leere, den Mangel an Kultur mit kapitalistischer Massenkultur zu füllen, wie man sie hier schon lange kennt.“

Aktivität in den Dialogen

In den letzten 30 bis 40 Jahren habe es spannende Neuinterpretationen von Tschechow-Stücken gegeben, sagt der Regisseur. Er selbst habe den „Kirschgarten“ als schrille Farce inszeniert. Doch für seine Bochumer Inszenierung wählt er keinen radikalen Ansatz. „Ich mag die Haltung nicht, zu denken: Das Stück kennen sowieso alle, ich suche mir nur bestimme Aspekte heraus. Ich will die ganze Geschichte erzählen.“

Herausarbeiten will er in seiner rund dreistündigen Inszenierung allerdings, was in den Dialogen an Aktivitäten und Wendungen steckt. „Bei Tschechow hat man hat oft das Gefühl, es passiert gar nicht, aber das stimmt ganz und gar nicht.“

13 exzellente Darsteller aus dem Ensemble und drei Musiker um Thorsten Kindermann stehen ihm dafür zur Verfügung: „Das sind wirklich herausragende Schauspieler“, lobt Ascher überschwänglich, „so offen und frisch, kultiviert und mit einer guten Arbeitsmoral!“

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