"Tannhäuser" sorgt für Theater-Skandal

Düsseldorf Publikum empört

Die drastische Inszenierung von Richard Wagners "Tannhäuser" als Nazi-Verbrecher mit der Darstellung des Mordens in Gaskammern hat bei der Premiere in der Düsseldorfer Rheinoper heftige Reaktionen ausgelöst. Nach nur 30 Minuten gellten am Samstag empörte Buhrufe aus dem Publikum. Verärgerte Zuschauer verließen ihre Plätze, einige knallten die Türen.

DÜSSELDORF

von Von dpa

, 05.05.2013, 17:51 Uhr / Lesedauer: 1 min
Elena Zhidkova als Venus in Nazi-Uniform und Daniel Frank als Tannhäuser.

Elena Zhidkova als Venus in Nazi-Uniform und Daniel Frank als Tannhäuser.

Auch beim Schlussapplaus kassierte Regisseur Burkhard C. Kosminski, der Intendant des Mannheimer Schauspiels, kaum hatte er die Bühne betreten, Reaktionen wie "Beleidigung" und "Alptraum". Sogar bei der Premierenfeier wurde er noch Zielscheibe der Wut einiger Zuschauer, so dass Opernintendant Christoph Meyer die Gäste zur Ordnung rufen musste.Verlegt in die Nazi-Zeit

Kosminski hat für seine erste Operninszenierung die sagenhafte Handlung um Tannhäuser im Venusberg und den Sängerkrieg auf der Wartburg in der Zeit des Nazi-Regimes und der Entstehung der Bundesrepublik angesiedelt. Während der berühmten "Tannhäuser"-Ouvertüre sinken nackte Darsteller in einem Kreuz aus gläsernen Würfeln, die sich mit Nebel füllen, zu Boden. Der Venusberg, bei Wagner Ort der hedonistischen Liebe, wird zum Schauplatz einer brutalen Erschießungsszene. Venus in Nazi-Uniform und ihre SS-Schergen ermorden eine Familie und zwingen Tannhäuser dazu, ebenfalls zu töten.Ströme von Theaterblut

Im Jubiläumsjahr des 200. Geburtstags Wagners mag es nahe liegen, den Antisemitismus des Komponisten und seinen Einfluss auf die Nazi-Ideologie zu thematisieren. Kosminski aber hat Wagners Oper, die sich um den Konflikt zwischen exzesshafter und keuscher Liebe dreht, das NS-Motiv übergestülpt, um daran das Thema von Schuld und Sühne abzuarbeiten. Doch Tannhäusers Aufenthalt im Venusberg als Hort der sündenhaften Liebe eignet sich nicht als Metapher für die Monstrosität der Nazi-Verbrechen. Dass in der Düsseldorfer Inszenierung Ströme von Theaterblut fließen, vergewaltigt wird und die Tannhäuser verfallene Elisabeth sich am Schluss auf der Bühne anzündet, macht es noch schlimmer.

Die "Holzhammer"-Methode Kosminskis und seines Bühnenbildners Florian Etti dürfte angesichts der Millionen Toten der Nazi-Gewaltherrschaft von vielen als Beleidigung der Opfer angesehen werden. Dorothea Hülsmeier

Termine: 9./12./19./30.5.; 2.6. Karten unter (0211) 892 52 11.

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