Tastentüftler und Virtuose: Sokolov ist eine Klasse für sich

Konzerthaus Dortmund

Vor 50 Jahren hat Grigory Sokolov, als 16-Jähriger, den Tschaikowsky-Wettbewerb gewonnen. Der St. Petersburger ist ein stiller Star geblieben, ein Pianist, der im abgedunkelten Saal, tief über die Tasten gebeugt ins Innerste der Musik eindringt. Am Sonntag faszinierte er mit dieser Kunst das Publikum im fast ausverkauften Konzerthaus Dortmund.

DORTMUND

, 09.05.2016, 13:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tastentüftler und Virtuose: Sokolov ist eine Klasse für sich

Grigory Sokolov faszinierte das Publikum im Konzerthaus Dortmund zutiefest.

In Werken von Schumann und Chopin zeigte Sokolov, wie tief verwurzelt er in der Rubinsteinschen Virtuosenschule ist, machte aber auch seinem Namen als Tastentüftler und Klavierphilosoph alle Ehre.

In Schumanns Arabeske hat man die Basslinien selten so präsent gehört wie bei Sokolov, der jede Nuance ausformt. Aus diesem Blumenwerk klang nicht nur die pure Grazie; Sokolov hatte es mit viel Kraft auch fest verwurzelt im Bass und ließ darüber Melodien schwingen.

Töne wie aus Porzellan

Noch stärker arbeitet er Kontraste in Schumanns Fantasie-Sonate heraus. Das klang zum Teil so donnernd wie beim jungen Volodos, aber dazwischen setzte Sokolov Töne wie aus Porzellan.

Von dieser Qualität gibt es derzeit nur eine Handvoll Pianisten - auch unter den Chopin-Interpreten. Mit viel Wärme im Ton spielte der Russe die zwei Nocturnes op. 32, und wie er dann in der großen b-Moll-Sonate von Chopin Spannung aufbaute und hielt, war atemberaubend. Den Mittelteil des berühmten Trauermarsches so tröstlich und zärtlich zu spielen, war große Kunst. Ebenso Sokolovs famose Technik im rasant schnell und gespenstisch vorbeifliegenden Finale.

Frenetischer Jubel

Sechs Zugaben für frenetischen Jubel und Bravorufe, darunter einige "Moments musicaux" von Schubert, - das ist man von Sokolov gewohnt. Der Mann spielt einfach gerne Klavier. Am 10. März 2017 kommt er zurück ins Dortmunder Konzerthaus.