Tatort: Die fünf besten Fälle von Schimanski und Thanner

rnKult-Kommissare

Der Tatort hat in 50 Jahren zahlreiche Ermittler hervorgebracht. Das bei den Zuschauern beliebteste Team aber ermittelte von 1981 bis 1991 in Duisburg. Hier sind unsere Top 5.

17.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

An Schimanski (Götz George) und Thanner (Eberhard Feik) kommt kein echter Tatort-Fan vorbei. In 29 Filmen (zwei davon sogar im Kino zu sehen) ermittelte das Gespann in Duisburg. Manche ihrer Einsätze gelten bis heute unter den Krimi-Kennern als die besten der gesamten Reihe. Diese fünf Fälle schrieben TV-Geschichte:

Duisburg Ruhrort (Folge 126)

Leichenfund am Duisburger Hafen: Der Binnenschiffer Heinz Petschek wurde ermordet. Die Kommissare Horst Schimanski und Christian Thanner ermitteln im Umfeld des Toten. Es stellt sich heraus, dass Petschek sowohl mit der Ehefrau des Herrn Losse wie auch mit der Gattin von Jan Poppinga ein Verhältnis hatte. Wie Schimanski erfährt, soll der eifersüchtige Poppinga Petschek kurz vor dessen Tod brutal zusammengeschlagen haben.

Trotzdem glaubt Schimanski nicht, dass Poppinga der Mörder ist. Kurz vor seiner Ermordung soll Petschek auf dem Schiff des Partikuliers Wittinger angeheuert haben. Aber warum? Inmitten der Ermittlungen gibt es eine zweite Leiche. Der türkische Gewerkschafter Celik ist tot. Schimanski findet heraus, dass Celik und Petschek einem Waffenschieberring auf die Spur gekommen waren.

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So etwas wie „Duisburg Ruhrort" hatte man im deutschen Fernsehen zuvor noch nicht gesehen: Ein ständig fluchender Kommissar, der sich vornehmlich von Currywurst ernährt und in zwielichtigen Kneipen verkehrt, soll mit seinem ruhigen, aber mitunter auch aufbrausenden Kollegen einen Mord aufklären.

Der Fall selbst ist eher eine Alibi-Handlung, um den Zuschauern Charaktere zu präsentieren, die so völlig anders als all die bisherigen Ermittler im Tatort funktionierten. Der Film brach bewusst mit den bestehenden Sehgewohnheiten der Zuschauer. Schimanski und Thanner waren für sie ein regelrechter Kulturschock. Unvergessen Schimanskis erster Kultspruch: „Hotte Du Idiot, hör auf mit der Scheiße!“

Das Mädchen auf der Treppe (Folge 138)

Auf dem Treppenabsatz vor Schimanskis Wohnung sitzt eines Abends ein Mädchen, das den Kommissar um Hilfe bittet. Die 17-jährige Katja sorgt sich um ihre Mutter. Die ist Geschäftsführerin des Restaurants „Hawaii“ und verschwunden. Schimanski hilft Katja dabei, in die elterliche Wohnung zu kommen, doch von ihrer Mutter fehlt weiterhin jede Spur.

Dafür macht es den Anschein, als wenn jemand zuvor die Wohnung durchsucht hätte. Katja übernachtet bei Schimanski. Am nächsten Tag wird unweit der Wohnung eine Frauenleiche gefunden. Es ist Katjas Mutter. Sie wurde erschossen und mehrfach überfahren. Thanner und Schimanski ermitteln, aber stellen schnell fest, dass Katja mehr weiß, als sie ihnen sagt. Eine Razzia im Restaurant „Hawaii“ bringt ans Licht, dass das Lokal Stützpunkt von Drogenhändlern ist.

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Atmosphärisch dicht inszeniert, gilt „Das Mädchen auf der Treppe" für manche Fans als der beste Tatort, der jemals entstanden ist. Auch die musikalische Untermalung des Falls ist einzigartig. Die Band Tangerine Dream steuerte einen packenden Soundtrack zum Geschehen.

Kuscheltiere (Folge 143)

Tragischer Fund am Kanal: Die Duisburger Polizei fischt einen Korb aus dem Wasser, in dem eine Kinderleiche verstaut wurde. Es handelt sich um ein asiatisch stämmiges Mädchen, das an Typhus gestorben sein soll. Thanner und Schimanski müssen herausfinden, woher das Kind stammte, denn die Krankheit könnte zu einer Seuche führen.

Dass die Boulevardpresse von dem Fall Wind bekommen hat, erweist sich für die Ermittler als weitere Hürde beim Rennen gegen die Zeit. Alsbald bekommen die Kommissare einen Hinweis aus einer Siedlung, der die Beamten auf die Spur eines weiteren Kindes führt, dass ebenso ein Kuscheltier mit sich führt, wie es bei der Leiche im Kanal gefunden wurde. Die Kommissare fahren in die Niederlande, denn eine dubiose Vermittlungsagentur für Adoptivkinder soll in dem Fall eine Rolle spielen. Als Schimanski in die Büros der Agentur einbricht, um Beweise zu finden, wollen Handlanger des Agenturchefs ihn erschießen.

„Kuscheltiere" ist gemessen an der Zeit seiner Entstehung ziemlich harter Tobak. Das schmutzige Geschäft mit illegalen Adoptionen und der vorherrschende Rassismus in verschiedenen Gesellschaftsschichten werden thematisiert. Außerdem ermitteln die Kommissare nicht nur in Duisburg, sondern grenzübergreifend auch in den Niederlanden. Trotz der Schwere der Thematik gibt es mitunter auch humorvolle Szenen beim Spiel zwischen Thanner und Schimanski.

Zahn um Zahn (Folge 200)

Alf Krüger, Buchhalter der Duisburger Grassmann-Werke, und seine Familie werden tot aufgefunden. Nur der jüngste Sohn der Krügers hat das Drama überlebt. Schimanski, der Krüger aus Kindertagen kennt, glaubt nicht daran, dass der Mann sich und seine Familie umgebracht hat und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Weil Schimanski den Firmenchef Grassmann in seinem Haus aufsucht und angreift, wird der Kommissar vom Dienst suspendiert. Zeitgleich recherchiert die Journalistin Ulli den Fall. Sie kommt Schimanski in die Quere.

Gemeinsam mit Produzent Bernd Eichinger brachte Regisseur Hajo Gies einen Tatort-Film erstmals auf die große Leinwand. Bei „Zahn um Zahn" ist alles größer und teurer geraten als in den regulären TV-Beiträgen. Es gibt mehr Stunts und Action. Schimanski ermittelt teilweise auch in Frankreich. Eine TV-Fassung des 1985er-Streifens wurde erst zwei Jahre später ausgestrahlt. Klaus Lages Titelsong „Faust auf Faust" wurde zum Hit, der auch heute noch regelmäßig im Radio gespielt wird. 1987 kam mit „Zabou" ein weiterer Duisburg-Tatort unter der Regie von Hajo Gies ins Kino.

Moltke (Folge 214)

Vorweihnachtszeit 1988 in Duisburg: Während die Menschen auf der Suche nach Geschenken für die Bescherung die Einkaufshäuser stürmen, will bei Thanner und Schimanski keine wirkliche Feststimmung aufkommen. Erst Recht nicht, als sie in Thanners Autokofferraum einen gefesselten und geknebelten Mann vorfinden. Der Mann heißt Grees und führt die Ermittler auf die Spur von Zbiginiew Pawlak. Pawlak wurde nach neun Jahren in Haft aus dem Gefängnis entlassen und die Kommissare gehen davon aus, dass er umgehend Rache an den Männern nehmen wird, die 1978 seinen Bruder nach einem Banküberfall erschossen haben und ihn zurückließen.

Aufgrund seiner Verschwiegenheit in Haft hatte Pawlak von den Ermittlern den Spitznamen „Moltke“ erhalten. Schimanski will herausfinden, wer die Mittäter Moltkes damals waren und sie finden, bevor der Ex-Häftling Rache üben kann. Tatsächlich stirbt bald der erste der damaligen Bankräuber, doch Schimanski entdeckt, dass es noch jemanden anders geben muss, der auf die Gangster von einst Jagd macht. Um den zu stellen, schließt er mit Moltke einen vorübergehenden Pakt.

Die Folge „Moltke" wurde mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet und gehört selbst innerhalb der Schimanski-Reihe zu den ungewöhnlich erzählten Beiträgen.

Ungewöhnlich an diesem Tatort ist ebenfalls die Beteiligung von Dieter Bohlen. Der Musikproduzent spielt den eifersüchtigen Freund eines Flirts von Thanner und zugleich einen Tatverdächtigen, der am Ende eigentlich nichts mit dem Fall zu tun hat. Obwohl Bohlen nur einen Satz spricht, der im Lärm des Autoverkehrs völlig untergeht, wurde er nachsynchronisiert. Neben seiner Minirolle schrieb er außerdem den Soundtrack zum Film.

dpa

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