Tausende Corona-Tests in Gütersloh und Warendorf - Hoffnungsschimmer in beiden Kreisen

Coronavirus

Reicht der einwöchige Lockdown, um den Massenausbruch in den Kreisen Warendorf und Gütersloh in den Griff zu bekommen? Massentests sollen Klarheit bringen. Und vielen Bürgern ihren Urlaub ermöglichen.

Gütersloh

25.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens in Gütersloh wurde ein Corona-Testzentrum eingerichtet.

Auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens in Gütersloh wurde ein Corona-Testzentrum eingerichtet. © picture alliance/dpa

Mit einer massiven Testausweitung wollen die Behörden im Kreis Gütersloh jetzt herausfinden, ob Corona-Infektionen von Tönnies-Mitarbeitern auf andere Bürger übergesprungen sind. Geplant sind 10.000 Tests täglich. Fünf neue Testzentren sollten am Donnerstag im Kreisgebiet eingerichtet werden. Darunter ist auch ein Drive-In-Zentrum, wo die Bürger im Auto während des Tests sitzen bleiben können.

Bereits am Mittwoch hatten sich vor den Zentren in den Kreisen Warendorf und Gütersloh lange Schlangen von Menschen gebildet, die einen Corona-Test machen wollten, um mit einem negativen Ergebnis Sicherheit für einen bevorstehenden Urlaub zu haben. Und auch am Donnerstag blieb der Andrang teils groß. Ein Sprecher der Feuerwehr berichtete von Wartenden vor den Zentren im Kreis Gütersloh.

Nur ein Corona-Fall unter 2000 ausgewerteten Tests

An diesem Freitag ist in Nordrhein-Westfalen der letzte Schultag vor den Sommerferien. Offenbar gibt es einen ersten Hoffnungsschimmer für die Menschen in den beiden Kreisen: Von 2000 aktuellen Corona-Tests sei nur einer positiv ausgefallen, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses. Bei den 2000 Getesteten handelt es sich nach Ministeriumsangaben um Menschen aus der Allgemeinbevölkerung.

Das Ergebnis der Massentests ist wichtig für die Entscheidung darüber, ob der neue, zunächst zum 30. Juni verhängte eingeschränkte Lockdown für die Kreise Gütersloh und Warendorf fortgesetzt wird. Laut Robert Koch-Institut sank die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage am Donnerstag im Kreis Gütersloh auf 192,8 gesunken. Am Dienstag hatte der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch 270,2 betragen.

Beherbergungsverbot und Beschränkungen für Menschen aus Corona-Risikogebieten

Im benachbarten Kreis Warendorf fiel der Wert auf 50,4, zuvor lag er noch bei 66,2. Damit liegt der Kreis Warendorf nur noch knapp über der Marke 50, die von Bund und Ländern als Grenzwert für wieder stärkere Einschränkungen vereinbart worden war.

Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern haben ein Beherbergungsverbot oder andere Beschränkungen für Menschen aus Corona-Risikogebieten festgelegt, die keinen negativen Corona-Test vorweisen können. Im Fall Niedersachsens gilt dies speziell für Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf.

Rheinland-Pfalz entschied sich am Donnerstag für eine Quarantänepflicht für Menschen, die aus Risikogebieten einreisen. Als Risikogebiete innerhalb Deutschlands gelten Regionen mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen.

Erste Infizierten-Welle bei Tönnies im Zusammenhang mit „kirchlicher Veranstaltung“

Indes läuft im Kreis Gütersloh die Ursachenforschung weiter: Eine erste Welle von Infizierten bei Tönnies hat es nach Angaben des Gesundheitsministeriums Mitte Mai im Zusammenhang mit einer „kirchlichen Veranstaltung“ gegeben. Das sagte Staatssekretär Edmund Heller in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags. Nach Recherchen des Portals „t-online.de“ handelte es sich um einen Gottesdienst, der am 17. Mai stattfand.

Bei diesem Gottesdienst in einer Kirche in Herzebrock-Clarholz seien auch Arbeiter eines Tönnies-Konkurrenten dabei gewesen. Der Sprecher des Kreises Gütersloh bestätigte entsprechende Erkenntnisse. Es seien sowohl Mitarbeiter von Tönnies als auch eines anderen Unternehmens aus der Branche vor Ort gewesen. Auch Besucher ohne Bezug zur Fleischindustrie seien bei dem Gottesdienst gewesen.

Ob aber diese Veranstaltung Grund für den Corona-Ausbruch bei Tönnies ist, sei völlig offen, sagte der Sprecher weiter. Erste Infizierte im Kreis Gütersloh habe es nachweislich bereits Wochen zuvor im Zusammenhang mit Rückreisenden aus dem Winterurlaub gegeben.

dpa

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