Teich-Exot unter Dampf

Witten Sommerfest des Wittener Schiffsmodellbau-Clubs. Samstagnachmittag, im schönsten Sonnenschein, wurde der Hammerteich einmal mehr in ein nasses Paradies für Schiffsmodellbaufreunde verwandelt.

von Christian Lukas

, 05.08.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Ein Exot auf dem Hammerteich: die Turtle Dove.</p>

<p>Ein Exot auf dem Hammerteich: die Turtle Dove.</p>

Nicht nur rund 30 Mitglieder des Vereins kamen an den See, auch viele Spaziergänger verweilten und beobachteten das Treiben, denn neben dem Sommerfest fand auch ein Lauf zur Clubmeisterschaft statt.

Weltmeister verhindert

"Wir hätten natürlich auch gerne unseren Weltmeister den Besuchern vorgestellt, aber der ist zurzeit noch in Russland", erzählt Norbert Droste, der Vorsitzende des WSC. Tatsächlich: Der Wittener Verein hat wieder einen Weltmeister in den eigenen Reihen: Bernhard Osthoff heißt er, und er hat letzte Woche bei den Welttitelkämpfen in St. Petersburg die Konkurrenz in der Klasse F4A hinter sich gelassen. "Das ist eine reine Fahrklasse, in der es um Geschicklichkeit geht und nicht, wie in anderen Klassen, auch um den Schiffsbau." Aus Hagen kommt der Weltmeister, der mit einigen anderen Volmestädtern vor einigen Monaten in den WSC eingetreten ist. "Leider ist er noch in St. Petersburg, die Rückfahrt ließ sich leider nicht früher organisieren."

Top-Adresse im Modellbau

Seit 47 Jahren gehört der Wittener Verein zu den Top-Adressen im Schiffsmodellbau. "Unser größter Traum ist es, zum 50sten Geburtstag die Deutschen Meisterschaften auf dem Hammerteich auszutragen", sagt Heinrich Beermann, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Am 17. und 18. August stehen nun die so genannten Gruppenmeisterschaften in Gelsenkirchen an, bei denen es um nichts geringeres als die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg 2008 geht. Mit zurzeit 37 aktiven Mitgliedern ist der Verein gut aufgestellt. Zwar dominierte silbernes Haar den Anblick am Ufer des Hammerteichs, aber ein Altherren-Hobby ist der Schiffsmodellbau nicht, meint Thorsten Droste, der Kassierer des Vereins.

Oldies im Rentenalter

Der kaufmännische Angestellte ist mit 28 zwar etwas jünger als das Durchschnittsmitglied des Vereins - das Durchschnittsalter liegt etwa bei 40 Jahren - aber: "Wir haben Nachwuchs und das Hobby findet immer wieder neue Liebhaber." Das jüngste Mitglied des Vereins ist sechs Jahre alt, die ältesten sind im Rentenalter. "Das Rentenalter hat den Vorteil", so Heinrich Beermann, "das man viel Zeit zum Basteln hat."

Ob Seenotrettungskreuzer, Helgolandfährschiff oder die Barbie-Yacht: Vielseitig präsentierte sich der Verein den Besuchern. Beermann selbst war am Samstag mit dem Nachbau eines dänischen Fischkutters aus den 30er Jahren auf dem Teich, an dem er in der fahrfreien Zeit zwischen Oktober und März gebaut hat. Ein echter Exot war die "Turtle Dove" von Martin Schulte-Schrepping.

Populäres Dampfschiff

So unspektakulär das Boot auch aussah, stach es doch andere Boote aus dem Rennen, denn: Es war das einzige Dampfschiff auf dem Hammerteich. "Ich habe es nach einem britischen Bauplan entworfen und gebaut", erklärt der Wittener und zeigt damit nationale Unterschiede im Schiffsmodellbau auf. "In Witten bin ich damit ein Exot, in Großbritannien hingegen sind solche Modellschiffe äußerst populär und weit verbreitet."